Editorial des aktuellen Sortimenter-Briefs

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E-Commerce statt Läden?

Lange genug reden wir es uns schön, kneifen die Augen fest zu und hoffen, dass es uns selbst weniger trifft als andere. Klar, die Rede ist vom Online-Geschäft, und zwar von dem der "Anderen", der Großen. Wobei nicht ganz klar ist, wer die Großen sind beziehungsweise wer sie morgen sein werden. Durch den Internethandel wurde auch manches möglich, was noch vor kurzem geregelt zu sein schien ... doch darum geht es heute nicht.

Viel mehr interessiert mich, wo der E-Commerce die Buchbranche hinführt beziehungsweise welche Ziele von manchen verfolgt werden. Natürlich muss jeder seine eigenen Pläne haben, doch es gibt auch einen allgemeinen Strom, und der führt deutlich weg vom Laden hin ins Internet. Machen da halbherzige Unternehmungen zur Stärkung der so sogenannten Independents – sofern diese überhaupt stattfinden – Sinn? Welche Hilfe würden denn Sie sich eigentlich erwarten?

"Ihr Tischler macht es sicherlich auch heute noch persönlich", sofern es ihn überhaupt noch gibt. Sind es Werbestrategien, die gefragt sind, oder ist der Zug nicht schon längst uneinholbar abgefahren und die Frage ist nur noch eine der Zeit?

Eines steht fest: Die Internet-Umsätze steigen konstant und das nicht nur bei den ganz Großen. Die jährlichen sich kontinuierlich im zweistelligen Bereich bewegenden Zuwachsraten machen mir Angst. Vor allem auch deswegen, weil selbst die umsatzstarken Platzhirsche auf den Flächen ihre eigenen Kunden ins Netz führen, anfüttern und an den Online-Einkauf gewöhnen. Ist es das Sägen am eigenen Ast oder die Hoffnung, beim Online-Spiel das sprichwörtliche "Leiberl zu reißen"?

Doch so oder so, wir verändern neben der allgemeinen Entwicklung das Konsumverhalten dadurch selbst. Aber vielleicht muss das so sein, denn wenn es die Anderen tun, was bleibt einem selbst dann übrig, um nicht auf der Strecke zu bleiben?!

Ein wenig vergleichbar mit dem E-Book, wo wir selbst die Konsumenten umformen (wollen). Es ist nicht die Nachfrage, die das Verhalten dabei bestimmt. Vielmehr ist es das steigende Angebot, welches Nachfrage entstehen lassen will. Wenn man sich dann auch noch vor Augen führt, dass manche Stimmen in der EU den Anteil der Internetumsätze im Einzelhandel bis 2015 verdoppelt sehen möchten und dazu diverse Strategien entwickeln, frage ich mich, wo das alles hinführt.
Und die Studie aus Frankreich, nach der man im Internethandel für jeden an anderer Stelle vernichteten Arbeitsplatz 2,6 neue geschaffen habe, beruhigt mich da kein bisschen, meint Ihr

Ossi Hejlek

 

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