Editorial des aktuellen Sortimenter-Briefs

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Diversifikation –
schon vergessen?

Jedes Gespräch, das mit Verlagen geführt wird, beginnt mit der Frage, wie es denn dem Buchhandel ginge. Jedes Gespräch, das mit Buchhändlern geführt wird, beginnt mit der Frage, ob es bei anderen Geschäften auch so schleppend sei. An zweiter Stelle rangiert dann die Klage über den Internethandel und das Spekulieren über die E-Book-Thematik ...

Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht, wenn Sie ähnliche Gespräche führen, doch auf mich haben diese Einstiege stets eine demotivierende Auswirkung. Vielleicht liegt es in unserer österreichischen Seele begraben, dass wir vermeintlich die eigenen Probleme besser verdrängen können, wenn wir hören, dass es anderen auch nicht gut, vielleicht sogar schlechter geht. Tatsache ist jedoch, dass sich die eigenen Hausaufgaben dabei nicht lösen. Und während wir wieder einmal gebannt auf die vermeintlich eine Schlange schauen, was uns temporär regungslos und handlungsunfähig macht, schlängeln sich links und rechts andere wendig und innovativ an uns vorbei.

Haben Sie schon bemerkt, wo es heutzutage überall Bücher zu kaufen gibt? Ich wundere mich manchmal sehr! Und das hat gar nichts mit dem Internet zu tun. Ein Verlag muss seine Produkte verkaufen. Doch wenn der Buchhandel seine Einkäufe aus unterschiedlichen und – man muss auch sagen – individuell sehr nachvollziehbaren Gründen dermaßen reduziert, so muss sich ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen nach neuen Absatzmärkten umsehen. Das ist nicht böse gemeint, sondern genauso nachvollziehbar. Doch das ist kein gesundes Unterfangen, denn je mehr neue Absatzstellen aufgetan werden, umso mehr fehlt es dem Buchhändler in der Kasse. Und wenn die Kasse immer weniger klingelt, wird der Händler weiter seinen Einkauf, sein Personal, seine Werbemaßnahmen reduzieren und die Produzenten werden darauf reagieren und weitere neue Kanäle suchen. Ein Kreislauf, der am Ende des Tages nichts Gutes verheißt.

Was also tun, fragen Sie sich. Nun, aus dem Kreislauf ausbrechen – wäre eine Chance. Wieder an Ihre Fähigkeiten als Händler glauben, innovative Verlagsideen unterstützen, sich für Publikationen einsetzen, Werbe-, PR- und Vertriebsmaßnahmen wahrnehmen und durch Einkauf und Platzierung honorieren, den direkten Weg zum Kunden auch außerhalb des Geschäftes suchen, ihre Buchhandlung zu etwas Außergewöhnlichem für Ihre Kunden werden lassen, für Ihre Qualitäten und Ihre Besonderheiten werben und letztendlich beraten und aktiv verkaufen, was das Zeug hält, denkt sich Ihr

Ossi Hejlek

 

 

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