100 Jahre und modern wie eh und je: Der Goldmann Verlag feiert sein großes Jubiläum. Mit einem Relaunch, einem neuen Sachbuchschwerpunkt neben dem belletristischen, fesselnder Literatur – und mit einem Frauentrio an der Spitze.

Von der Weimarer Republik bis ins Internetzeitalter: Ein Jahrhundert hat der Goldmann Verlag begleitet, spannende Geschichte(n) geschrieben, bemerkenswerte Akzente gesetzt – und sich immer wieder neu ausgerichtet.

»Darum geht es auch jetzt«, erklärt Verlegerin Grusche Juncker, eine der Geschäftsführer*innen der Penguin Random House Verlagsgruppe in München. »Der hundertste Geburtstag ist ein perfekter Zeitpunkt, um innezuhalten, uns bewusst zu machen und anderen zu zeigen, wer wir sind und wohin wir wollen.«
Neu erfinden müsse der Verlag sich nicht, fügt sie hinzu.
»Es geht darum, relevant und zeitgemäß zu bleiben, uns der Dynamik der Gegenwart anzupassen« – um auch in Zukunft zu sein, was Goldmann bereits in der Vergangenheit war: »Ein Haus der Vielfalt, dessen Team mit Expertise und Leidenschaft unterwegs ist. Mit Büchern, die Menschen begeistern, berühren, beraten und inspirieren. Die Debatten aufgreifen und hoffentlich auch anstoßen. Und – das finde ich in unserer komplexen, anstrengenden Zeit ebenfalls wichtig – die kleine Fluchten aus dem Alltag ermöglichen und Leser*innen auf die Reise schicken.«

Vielseitig, lebendig, in Bewegung

Kriminalromane waren bei Goldmann immer sehr präsent – »Der Frosch mit der Maske« war gleich zu Beginn eine Erfolgsgeschichte: Edgar Wallace spielte von den 1920er Jahren bis in die Nachkriegsjahrzehnte eine wichtige Rolle im Programm. Walter Kempowski und Ingeborg Drewitz kamen dazu, Donna Tartt und Lucinda Riley, Elizabeth George und Andreas Gruber, Richard David Precht und Bill Bryson, Julia Engelmann, Wladimir Kaminer und Michelle Obama – um nur einige zu nennen.
Die wechselvolle Geschichte begann am 21. Juni 1922: Damals gründete Wilhelm Goldmann seinen Verlag in Leipzig. 1950 verließ er die DDR, verortete sein Unternehmen in München und konzentrierte sich auf das Taschenbuchsegment – zunächst mit den beiden Schwerpunkten Spannung sowie Klassiker der Weltliteratur und zeitgenössische Belletristik.

Als Wilhelm Goldmann 1974 starb, waren in seinem Verlag 2.900 Hardcover und Taschenbücher erschienen, insgesamt mehr als 100 Millionen verkaufte Bücher. 1977 übernahm Bertelsmann, und heute ist der Goldmann Verlag Teil der zum Bertelsmann Konzern gehörenden Penguin Random House Verlagsgruppe. Vor allem im Bereich Taschenbuch ist er einer der umsatzstärksten Publikumsverlage in Deutschland.

Heute realisieren 92 Mitarbeitende rund 350 Titel pro Jahr – mit einem Frauentrio an der Spitze: Verlegerin Grusche Juncker, Verlagsleiterin Belletristik Andrea Best und Verlagsleiterin Sachbuch Stephanie Taverna.

»Geplant war ein Frauentrio nicht, und festgeschrieben ist es natürlich erst recht nicht«, sagt Grusche Juncker. »Aber in einem Branchenumfeld, in dem überwiegend Frauen arbeiten, ist es nur folgerichtig, dass heute die Führungspositionen nicht mehr automatisch in Männerhand liegen. Das Entscheidende ist aber: Wir sind ein Team – eines, das sich perfekt ergänzt.«

Enger Kontakt zu den Lesenden

Goldmann heute, das heißt für Grusche Juncker: Offen und am Puls der Zeit – inhaltlich wie auch prozessual. Um hier zu justieren, hat sie als Unterstützung die Agentur stilbezirk aus Nürnberg ins Boot geholt.
Das Ergebnis: »Unser Auftritt ist menschlicher, emotionaler, nahbarer geworden.« Damit meint die Verlegerin die Nähe zu den Lesenden, die im Zeitalter der sozialen Medien neu gedacht werden kann – und muss.

»Wir wollen als Verlag dicht an Leser und Leserin sein, wollen deutlich machen, dass wir jedes einzelne Buch lieben und uns für jede*n einzelne*n Autor*in einsetzen. Und wir wollen uns mit unserem Publikum austauschen, ein noch besseres Gespür dafür bekommen, was es sucht und braucht.«

Auch das Logo wurde überarbeitet. Der traditionelle Goldmann-Schriftzug ist geblieben.

»Er steht für unsere Tradition und Professionalität – Sorgfalt, Liebe zum Detail und sehr viel Erfahrung«, so Juncker. Ersetzt wurde die alte Bildmarke: »Ein handgezeichnetes Bild, in dem das Unkonventionelle sichtbar wird, das uns ausmacht.«

Neue Sachbuchakzente

Goldmann heute: Das heißt auch, dass neben der Belletristik Sachbücher mehr Raum und Gewicht bekommen – so lautete der Auftrag für Stephanie Taverna, als sie 2018 in den Verlag kam.

»Dabei geht es um Unterhaltung auf höchstem informativem Niveau«, betont die Verlagsleiterin Sachbuch. »Unsere Titel stellt man nicht ungelesen ins Regal, wir machen Sachbücher, mit denen man lebt, zu allen wichtigen Fragen des Lebens.«

Das Sachbuch kann sich jetzt, wie vorher bereits die Belletristik, in drei Erscheinungsformen entfalten: Im Hardcover, im neuen Paperback – und im Taschenbuchprogramm.

»Für das Goldmann Sachbuch standen im Hardcover zuletzt insbesondere Richard David Precht und Bill Bryson. Wir haben das Spektrum um starke Frauenbiografien wie »Becoming« von Michelle Obama oder auch »One Life« von Megan Rapinoe, erweitert, und beschäftigen uns intensiv mit dem gesellschaftlichen Wandel«, resümiert Taverna. »Spannendes Wissen rund um die Themen Geschichte, Politik und Forschung rundet unser Programm ab.«

Neu seit Herbst 2020 ist das Sachbuch-Paperbackprogramm. »Piksig« nennen es die Goldfrauen liebevoll. »Damit meinen wir unter anderem provokantere Debattenbücher von neuen Stimmen«, erklärt Taverna. Hier ist Raum für wichtige Zeitthemen – die Digitalisierung kommt ebenso zur Sprache wie Veganismus oder Feminismus.
Im Taschenbuchprogramm finden sich im Sachbuch- und Ratgeberbereich, neben erfolgreichen Lizenzausgaben aus anderen Häusern, mittlerweile auch viele Originalausgaben deutscher Autor*innen. Im Bereich »Body, Mind & Spirit« liegt der Schwerpunkt weiterhin auf den Themen Spiritualität und Esoterik.

Großes Lese-Kino

Goldmann heute: »Dazu gehören natürlich berührende Geschichten«, so Andrea Best, Verlagsleiterin Belletristik. »Insbesondere beim Hardcover legen wir Wert auf nicht-austauschbare, unverwechselbare Geschichten. In letzter Zeit und natürlich im Jubiläumsjahr mit verstärktem Fokus auf deutschsprachigen Autor*innen.« Es sind Geschichten zum Schmökern, aber mit dem Anspruch der Relevanz: »Wir greifen Stoffe auf, von denen wir überzeugt sind, dass sie für die Lesenden wichtig sind und sie lange begleiten.«
Dazu kommen Humor und Spannung, mit denen sich der Alltag auf Abstand halten lässt. »Krimis dürfen bei uns in unterschiedlichen Facetten dabei sein: von Cosy Crime bis zu Psychothrillern – und im Jubiläumsjahr konnten wir nicht widerstehen«, gibt Best zu: »Der Frosch mit der Maske« wird mit Originalcover neu aufgelegt – Krimimeister Edgar Wallace ist augenzwinkernd nostalgisch dabei.

»Mit Geschenkbüchern rundet das Imprint Wunderraum das Gesamtbild von Goldmann ab«, erklärt Andrea Best. »Hier geht es uns um einen besonderen Touch in bibliophiler Ausstattung, um Geschichten, die das Herz erwärmen.«

Jubiläumsauftakt im Lesehotel

Die Bücher liegen auf dem Geburtstagstisch, das Fest kann beginnen. Buchhandels- und weitere Marketingaktionen werden sich durch das ganze Jahr 2022 ziehen – und die Jubiläums-Auftaktveranstaltung wird am 19. Mai an einem besonderen Ort stattfinden: Im Lesehotel am Hallstätter See in Österreich.

»Das Hotel verbindet Lesende, Verlage und Buchhändler*innen – ein Konzept, das wir gerne unterstützen«, erklärt Verlegerin Grusche Juncker. Goldmann ist dort sehr präsent. Neben dem kleinen gemütlichen Waldzimmer für Gäste auf der Suche nach Ruhe und Selbsterfahrung, stattet Goldmann die Gletschersuite mit Büchern aus.

Bei der Auftaktveranstaltung zum hundertsten Geburtstag wird die Verlegerin natürlich die Vergangenheit anklingen lassen.

Vor allem aber will sie dort im Gespräch mit Mario Giordano, Autor von »Terra di Sicilia«, über die Gegenwart reden: »Haus der Vielfalt bedeutet keinen Gemischtwarenhandel – unser Sortiment ist handverlesen, sprich: sorgfältig ausgesucht und genau angepasst auf die Bedürfnisse unserer Leser*innen. Wie die Zukunft aussieht? Meine Vision ist, dass der Goldmann Verlag sich treu bleibt und seine Stärken bewahrt: Heimat und Resonanzboden für Autor*innen, kreative Wirkstätte für Mitarbeiter*innen. Dass wir offen bleiben, in Bewegung, lebendig, immer auf der Suche nach der perfekten Verbindung zwischen Lesenden und den Inhalten unserer Bücher. Und dass Goldmann sich seine Nachhaltigkeit bewahrt – um auch in den nächsten hundert Jahren Lesemomente zu schaffen und Erfolge feiern zu können.«

 

Presse Goldmann Verlag