Der Erich-Fried-Preis 2025 – dotiert mit 15.000 Euro – geht an die kurdisch-alevitische Schriftstellerin und Künstlerin Cemile Sahin. Die diesjährige Jurorin, die Schriftstellerin und Journalistin Fatma Aydemir, wird bei der Verleihung am Sonntag, den 23. November im Literaturhaus Wien die Laudatio auf die Preisträgerin halten.

Die Jurybegründung von Fatma Aydemir

„Cemile Sahin ist eine Schriftstellerin und visuelle Künstlerin, deren literarische Arbeit von der meisterhaften Verschränkung von Sprache und Bild, von Poetischem und Politischem geprägt ist. In ihren Romanen erzählt Cemile Sahin nüchtern und gleichermaßen zärtlich von Menschen, die in einer von Krieg und Gewalt geprägten Welt nicht nur ums bloße Überleben, sondern immer auch um einen eigenen Freiheitsbegriff kämpfen. Der Blick, dessen sich Sahin dabei bedient, ist der einer Cineastin, einer Sprachkünstlerin und einer Chronistin des Exils. Der episodenhafte Stil, in dem Sahins dritter Roman Kommando Ajax etwa eine ganze Flut von Szenen und Figuren aneinander montiert, verdichtet sich nach und nach zu einem bildgewaltigen Epos, das mit modernsten Mitteln von den ältesten Konflikten der Menschheit erzählt: Vertreibung, Verrat, Rache. Sahins Interesse gilt dabei nicht der Befriedigung zeitgenössischer Diskurse. Es gilt jener Erzählkunst, die die politische Realität immer mitverhandelt, wenn sie vermeintliche Einzelschicksale auffächert. Eine Erzählkunst, die sich trotz Schwere ihres Gegenstands niemals der Künstlichkeit und der Komik verweigert, und gerade darin ihre Widerständigkeit entfaltet.“

Cemile Sahin

Die Autorin und Künstlerin Cemile Sahin wurde 1990 in Wiesbaden geboren, studierte in London und Berlin und lebt nun in Berlin. Sie wurde u. a. ausgezeichnet mit dem ars viva-Preis für Bildende Kunst 2019 und der Alfred-Döblin-Medaille 2020. Nach ihrem Debütroman „TAXI“ (Korbinian Verlag 2019) erschienen im Aufbau Verlag die Romane „Alle Hunden sterben“ (2020) sowie „Kommando Ajax“ (2024).

Der Erich-Fried-Preis

Der Erich-Fried-Preis, eine der renommiertesten literarischen Auszeichnungen Österreichs, wird seit 1990 durch die Internationale Erich Fried Gesellschaft vergeben und von jährlich wechselnden Einzeljuror:innen entschieden. Der Preis wird vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport gestiftet und ist mit EUR 15.000 dotiert.
Preisträger:innen der letzten Jahre waren u. a. Thomas Stangl, Nico Bleutge, Rainer Merkel, Judith Hermann, Dorothee Elmiger, Leif Randt, Teresa Präauer, Steffen Mensching, Esther Kinsky, Frank Witzel, Melinda Nadj Abonji, Thomas Kunst und zuletzt Urs Allemann.

Für den Preis 2025 wurde Fatma Aydemir zur alleinigen Jurorin bestimmt. Die 1986 in Karlruhe geborene Fatma Aydemir ist Schriftstellerin und Journalistin (taz, Guardian), u. a. veröffentlichte sie bei Hanser die Romane „Ellbogen“ (2017) und „Dschinns“ (2022). Entschieden hat dies ein dreiköpfiges Kuratorium der Internationalen Erich Fried Gesellschaft, der 2025 die Autor:innen Josef Haslinger, Kathrin Röggla und Gustav Ernst angehörten.

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Aussendung Hauptverband des Österreichischen Buchhandels / Red.