Gestern hat die Schwedische Akademie in Stockholm verkündet, dass der jährlich von ihnen im Auftrag der Nobel-Stiftung vergebene Nobelpreis für Literatur heuer an den ungarischen Autor László Krasznahorkai gehen wird – „for his compelling and visionary oeuvre that, in the midst of apocalyptic terror, reaffirms the power of art.“ László Krasznahorkai sei ein großer epischer Schriftsteller in der mitteleuropäischen Tradition, die sich von Kafka bis Thomas Bernhard erstreckt und durch Absurdismus und groteske Übertreibungen gekennzeichnet ist. Aber er habe noch mehr zu bieten und blicke auch nach Osten, indem er einen kontemplativeren, fein abgestimmten Ton anschlägt, hieß es weiter in der Begründung.
Dem 1954 in Gyula (Ungarn), nahe der Grenze zu Rumänien, geborenen Schriftsteller gelang 1985 mit seiner ersten Novelle Sátántangó eine literarische Sensation in seiner Heimat und damit auf Anhieb der Durchbruch. Seine Bekanntheit im In- und Ausland verdankt er auch der filmischen Zusammenarbeit mit Béla Tarr, wobei Krasznahorkai selbst die Drehbücher schrieb. Vorallem dessen Film Sátántangó wird zu den bedeutendsten Werken der Filmgeschichte gezählt.
Eine ausführliche Biobibliography ist auf der Website nobelprize.org zu finden.
Krasznahorkais Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter 1993 der Preis der SWR-Bestenliste, 2004 der Kossuth-Preis, 2010 der Spycher: Literaturpreis Leuk und der Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis, 2015 der Man Booker International Prize, 2021 der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur und nun 2025 auch der Nobelpreis.
Zu seinen wichtigsten Werken in deutscher Übersetzung zählen u.a.:
- Satanstango. Roman (Sátántangó, 1985). Übersetzung Hans Skirecki. Rowohlt, Reinbek 1990
- Melancholie des Widerstands. Roman (Az ellenállás melankóliája, 1989). Übersetzung Hans Skirecki. Ammann, Zürich 1992
- Krieg und Krieg. Roman (Háború és háború, 1999). Übersetzung Hans Skirecki. Ammann, Zürich 1999
- Seiobo auf Erden. Erzählungen (Seiobo járt odalent, 2008). Übersetzung Heike Flemming. S. Fischer, Frankfurt am Main 2010
- Die Welt voran. Erzählungen (Megy a világ, 2013). Übersetzung Heike Flemming. S. Fischer, Frankfurt am Main 2015
- Baron Wenckheims Rückkehr. Roman (Báró Wenckheim hazatér, 2016). Übersetzung Christina Viragh. S. Fischer, Frankfurt am Main 2015
- Herscht 07769. Roman. Übersetzung Heike Flemming. S. Fischer, Frankfurt am Main 2021
- Im Wahn der Anderen. Drei Erzählungen. Übersetzung Heike Flemming. S. Fischer, Frankfurt am Main 2023
„Mit großer Wertschätzung gratuliere ich László Krasznahorkai zum Literaturnobelpreis. László Krasznahorkai zählt zu den bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen Weltliteratur. Mit erzählerischer Höchstleistung erschafft er eine literarische Welt von großer Dichte. Er überschreitet Grenzen – im Denken wie im Fühlen – und berührt Menschen auf der ganzen Welt. Mit dem Nobelpreis für Literatur reiht sich László Krasznahorkai endgültig in den Kanon der Weltliteratur ein. Ich gratuliere von ganzem Herzen.“ – Kunst- und Kulturminister, Vizekanzler Andreas Babler
Der Vorlass László Krasznahorkais befindet sich seit 2024 im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek.
Website von László Krasznahorkai (eng.)
Nobel Prize in Literature 2025 (eng.)
Wikipedia-Eintrag zu László Krasznahorkai (dt.)
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