Am 3. Februar 2026 fand im ORF Landesstudio Salzburg die Pressekonferenz zu den 55. Rauriser Literaturtagen 2026 statt. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll stellte den anwesenden Vertreter:innen aus Presse und Kultur die Preisträger:innen 2026 vor: Sophie Hunger erhält heuer den Rauriser Literaturpreis, Andreas Neuhauser den Rauriser Förderungspreis.
Zum Programm der Rauriser Literaturtage, die vom 25. bis 29. März stattfinden werden, meinte er, der Literatur komme „gerade in Zeiten globaler Herausforderung eine besondere Bedeutung zu. Sie vermag Zusammenhänge sichtbar zu machen, Erfahrungen teilbar zu halten und jene unscheinbaren Bedeutungen hörbar werden zu lassen, die im öffentlichen Diskurs allzu oft verloren gehen.“ Die Rauriser Literaturtage, so Schnöll, „erinnern daran, dass Literatur Brücken bauen kann und dass das gemeinsame Nachdenken über Sprache und Geschichten ein wesentlicher Beitrag zu einem respektvollen Zusammenleben ist.“
Der Rauriser Bürgermeister Peter Loitfellner betonte den großen Stellenwert der Literaturtage in der Region, aber auch weit über Salzburg hinaus, und sprach von der Bedeutung der Veranstaltung für die Marktgemeinde Rauris. Auch in diesem Jahr zeigte er sich erfreut über die Wahl des Themas durch die Intendanz, das ihm gerade in unserer Zeit besonders aktuell erscheine.
Das Intendanten-Duo Manfred Mittermayer und Ines Schütz präsentierte das Programm der 55. Rauriser Literaturtage, das unter dem Motto „Lieben“ steht.
Die bei den 55. Rauriser Literaturtagen eingeladenen Autor:innen sowie ihre Bücher beschäftigen sich vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen mit den Möglichkeiten und den Bedingungen von Liebe als Grundlage für unser (Über-)Leben in angespannten Zeiten. Die liebevolle Zuwendung zum anderen, nicht nur als romantische Faszination für einzelne Personen, sondern als tätig geübte Zuwendung zum Nächsten, soll dabei als Gegengewicht zu aktuell wahrnehmbaren Entwicklungen im gesellschaftlichen Zusammenleben verstanden werden: zur weltweiten Tendenz einer Entsolidarisierung, der Wiederkehr imperialer Politik und des Abbaus demokratischer Strukturen im Zeichen globaler Ökonomisierung.
Rauriser Literaturpreis 2026 geht an Sophie Hunger
Die 1983 in Bern geborene, international erfolgreiche Singer-Songwriterin und Autorin Sophie Hunger erhält für ihr Romandebüt Walzer für Niemand (Kiepenheuer & Witsch, 2025) den Rauriser Literaturpreis 2026 (vergeben vom Land Salzburg, dotiert mit EUR 10.000,-).
LH-Stv. Stefan Schnöll zitierte aus der Begründung der Jury (Christa Gürtler, Bettina Hering und Rainer Moritz), in der es heißt, dass dieses Buch „seine besondere Sogkraft aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Ausdrucksformen“ beziehe. Im Zentrum des Textes stehe eine außergewöhnliche, keineswegs alltägliche Freundschaftsbeziehung, in der Musik einen besonderen Stellenwert einnehme. Dabei sei der Autorin ein Werk gelungen, „das sich mit tiefer Empathie und gleichzeitig formaler Klarheit gängigen Erzählmustern entzieht und gerade darin überzeugt“.
Rauriser Förderpreis 2026 geht an Andreas Neuhauser
Der Förderungspreis 2026 (vergeben vom Land Salzburg und der Marktgemeinde Rauris, dotiert mit EUR 5.000,-) geht an den 1988 in Steyr (OÖ) geborenen Autor Andreas Neuhauser, der Germanistik und Anglistik studiert hat und in Salzburg lebt. Sein ausgezeichneter Prosatext Linz-Wegscheid zum Thema „Nähe“ überzeugte die Jury (Jessica Beer, Stefan Köglberger und Anna Weidenholzer) auf vielen Ebenen. „Der vollständige Verzicht auf ein Narrativ“ stelle „einen mutigen Schritt“ dar. Neuhausers Text nehme „die Lesenden auf eine unorthodoxe Stadtteilerkundung“ im Großraum Linz mit und lasse sie so „immer wieder Neues entdecken“.
Das Veranstaltungsprogramm der Literaturtage
Zum Thema der 55. Rauriser Literaturtage 2026 haben Manfred Mittermayer und Ines Schütz erneut ein vielfältiges Programm vor dem Hintergrund unserer aktuellen sozialen und ökonomischen Realität zusammengestellt. Bewusst soll es auch unter dem Motto „Lieben“ nicht nur um Texte über private Erfahrungsräume gehen. Gesellschaftspolitisch verstanden, ist mit diesem Begriff ein Modus des Zusammenlebens gemeint, in dessen Zentrum Verständnis und Toleranz, Mitmenschlichkeit und Solidarität stehen – als Gegenkonzept zu unserem oftmals von Hass und Spaltung geprägten (nicht nur privaten, sondern auch politischen) Alltag.
Zu Lesungen und Gesprächen eingeladen sind Autor:innen, deren Bücher sich mit den unterschiedlichsten Erscheinungsformen (aber auch Bedrohungen) von Liebe beschäftigen: Xaver Bayer, Martina Clavadetscher, Ulrike Draesner, Norbert Gstrein, Christina König, Eva Schmidt, Marlene Streeruwitz und Feridun Zaimoglu.
Neben den Programmpunkten Rauris.Lyrik (Michael Donhauser, Angelika Reitzer, Silke Scheuermann) und Spoken Word (Bas Böttcher, Béla Rothenbühler, Katharina Wenty) wird es auch wieder Gespräche der Autor:innen mit Studierenden österreichischer Universitäten geben.
Im „Gespräch über Literatur“ steht heuer anlässlich ihres 100. Geburtstags Ingeborg Bachmann im Zentrum: Manfred Mittermayer spricht mit Heinz Bachmann, dem Bruder der Autorin, sowie mit Ulrike Draesner und mit Irene Fußl, der Mitherausgeberin der Salzburger Bachmann Edition.
Die heurige Schreibwerkstatt betreut Andrea Grill.
Das Programm Rauris.Schule für Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis zur Mittelschule gestalten Birgit Antoni, Petra Piuk und Gemma Palacio sowie Annika Scheffel.
Veranstaltungsorte und Ausstellung „Literatur und Kunst“
Die Abendveranstaltungen im Mesnerhaus als zentralem Veranstaltungsort werden mittels Live-Übertragung zusätzlich im Gasthaus Platzwirt zu sehen und zu hören sein. Am 26. März ist außerdem die Heimalm wieder Veranstaltungsort. Auch die traditionellen Störlesungen bei Rauriser Familien finden statt.
Die Lesungen und Gespräche der Rauriser Literaturtage werden teilweise über die Homepage www.rauriser-literaturtage.at und den Kooperationspartner FS1 als Livestream bzw. zeitversetzt online ausgestrahlt. Informationen dazu bietet die RLT-Website.
Die Ausstellung zu „Literatur und Kunst“ gestaltet 2026 die österreichische Künstlerin Ina Loitzl, in deren Werken es vielfach um eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und seinen Organen geht. Dabei hat sich Loitzl auch intensiv mit dem Herzen beschäftigt und dieses Motiv unterschiedlich bearbeitet. Martin Hochleitner (Direktor des Salzburg Museums, gleichzeitig Obmann des veranstaltenden Kulturvereins Forum Rauris), der die Ausstellungsreihe kuratiert, wird am 26. März mit der Künstlerin ein Gespräch darüber führen.
Programm und aktuelle Informationen
Der Web-Auftritt der Rauriser Literaturtage bietet weitere Informationen zum Programm des Festivals und zu den Autor:innen aus Österreich und Europa, die von 25. bis 29. März 2026 in Rauris zu erleben sein werden: www.rauriser-literaturtage.at
Presseaussendung Rauriser Literaturtage / Red.
