Die Jury des Siegfried Lenz Preises 2026 zeichnet mit dem 1961 in Österreich geborenen Schriftsteller Norbert Gstrein einen großen europäischen Erzähler aus.

„Schon in seinem Debüt, der Erzählung Einer (1988), erwies sich Norbert Gstrein als ein Autor, der eigenständig an die Literatur der klassischen Moderne anknüpft und deren Motive und Themen konsequent weiterentwickelt. Sein rund zwanzig Romane und Essays umfassendes Werk kreist um große erkenntnistheoretische und moralische Fragen. Es geht um „Identität“, „Wahrheit“ und „Schuld“. Gstrein konfrontiert seine Leserinnen und Leser gleichzeitig damit, dass jedem Erzählten zu misstrauen ist, es keine Verlässlichkeiten gibt und einfache Kausalitäten nur scheinbare Kausalitäten sind.
Gstreins Prosa handelt vom Nicht-Auslotbaren, Nicht-Fixierbaren des Lebens – im Kontext der historischen Zerwürfnisse und Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts. Beispiel- und meisterhaft werden diese Erzählstränge in Gstreins aktuellem Roman Im ersten Licht (2026) zusammengebunden, der als großes Antikriegsbuch und als Erörterung der Schuld, die Menschen willentlich oder unwillentlich auf sich laden, zu lesen ist. Nicht zuletzt gilt es, in Norbert Gstrein einen Autor zu ehren, dessen Texte von einer gedanklichen Klarheit und stilistischen Brillanz geprägt sind, wie man sie in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur nur sehr selten findet.“ – Jurybegründung

Preisträger Norbert Gstrein

Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er erhielt u.a. den Alfred-Döblin- Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis 2019, den Düsseldorfer Literaturpreis und den Thomas-Mann-Preis. Norbert Gstreins Bücher erscheinen seit 2008 im Carl Hanser Verlag: Die Winter im Süden (Roman, 2008), Die englischen Jahre (Roman, Neuausgabe 2008), Das Handwerk des Tötens (Roman, Neuausgabe 2010), Die ganze Wahrheit (Roman, 2010), In der Luft (Erzählungen, Neuausgabe 2011), Eine Ahnung vom Anfang (Roman, 2013), In der freien Welt (Roman, 2016), Die kommenden Jahre (Roman, 2018), Als ich jung war (Roman, 2019), Der zweite Jakob (Roman, 2021), mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war, sowie zuletzt Vier Tage, drei Nächte (Roman, 2022) und Mehr als nur ein Fremder (2023). Im Frühjahr 2026 erschien sein neuester Roman Im ersten Licht.

Siegfried Lenz Preis

Der Schriftsteller Siegfried Lenz hat 2014 eine Stiftung ins Leben gerufen, zu deren wichtigen Aufgaben es gehört, den internationalen Siegfried Lenz Preis zu vergeben. Dieser Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert. Mit dem Siegfried Lenz Preis sollen internationale Schriftsteller:innen ausgezeichnet werden, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist. Die Siegfried Lenz Stiftung hat zur Vergabe eine Jury berufen.

Jury-Mitglieder

  • Günter Berg, Vorstand der Siegfried Lenz Stiftung, Hamburg
  • Ulrich Greiner, Autor und Literaturkritiker, Hamburg
  • Prof. Dr. Rainer Moritz, Autor und Literaturkritiker, Hamburg
  • Annegret Schult, Buchhändlerin, Hamburg
  • Laura de Weck, Literaturkritikerin und Dramatikerin

Siegfried Lenz

Siegfried Lenz zählt zu den bedeutenden Schriftstellern deutscher Sprache. Sein Werk ist in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Für sein 14 Romane, zahlreiche Novellen, Hörspiele und Dramen umfassendes Werk wurde er mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Sein Werk ist geprägt von
gesellschaftskritischen Themen. Siegfried Lenz lebte in Hamburg und veröffentlichte seine Bücher seit 1951 im Hoffmann und Campe Verlag. Er verstarb am 7. Oktober 2014 im Alter von 88 Jahren.

Bisherige Preisträger

Die bisherigen Preisträger des mit 50.000 Euro dotierten Siegfried Lenz Preises waren der Israeli Amos Oz, der Engländer Julian Barnes, der Amerikaner Richard Ford, die amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Strout sowie die irische Erzählerin Claire Keegan. Da für Siegfried Lenz nicht allein die anglophone Welt von Bedeutung war, sondern auch die Welt seiner ostpreußischen Herkunft, zeichnete die Jury 2020 mit Ljudmilla Ulitzkaja eine Autorin aus dem osteu-
ropäischen Kulturraum aus.

 

Pressemeldung Siegfried Lenz Stiftung / Red.