Der in Graz lebende und aus dem Kongo stammende Schriftsteller Fiston Mwanza Mujila erhält den mit 15.000 Euro dotierten Erich Fried Preis 2026.Das hat die deutsche Schriftstellerin und Verlegerin Daniela Seel, alleinige Jurorin 2026, entschieden.

„Fiston Mwanza Mujila verbindet in seinen Texten auf begeisternde Weise Leben, Träumen und Denken, die alltäglichen Abgründe und Aufschwünge des Menschen, immer eingewoben in Musik und das Flüstern, Lachen, Spotten, Jammern, Fluchen, Jauchzen, Rauschen, Kosen und Loben der menschlichen Stimme.
Fiston Mwanza Mujila zu lesen oder performen zu hören, führt an die Grundfragen unserer Existenz und unseres Zusammenlebens in all unserer Gemachtheit aus Hoffnung, Traum, Liebe, Hybris, Gewalt und Geschichte. Wie sind wir die geworden, die wir sind? Wer wollen wir heute und künftig sein, wer können wir sein? In Fiston Mwanza Mujilas sechs Sprachen, Tschiluba, Lingala, Swahili, Französisch, Englisch und Deutsch, spiegeln und brechen sich die Erfahrungen seiner beiden Länder DR Kongo und Österreich wie ihrer literarischen Formen und Traditionen, er verknüpft sie zu mitreißenden Erzählungen, Reflexionen und Gesängen über das Leben in den Randzonen kolonialer, postkolonialer, postimperialer Mächte, wie in seinen beiden Städten Lubumbashi und Graz, und an den Ufern von Sambesi, Donau und Rio Zaire, seinen ‚Geliebten‘, wie es in Kasala für meinen Kaku heißt.
Wo also beginnen mit dem Lob auf Fiston Mwanza Mujilas vielzüngiges Repertoire an Gedichten, Romanen, Theatertexten, Libretti, Essays, Reden und Herausgaben? Vielleicht immer beim nächsten Atemzug, der sich noch einmal einlässt, trotz allen Entsetzens, schonungslos über die Welt und sich selbst zu lachen.“ – Daniela Seel, alleinige Jurorin 2026, in ihrer Begründung

„Ich gratuliere dem Preisträger Fiston Mwanza Mujila sehr herzlich zum Erhalt des Erich Fried Preis 2026. Als genuin musikalisch arbeitender Dichter und Erzähler leben seine Texte von Rhythmus, Wiederholung und Mehrstimmigkeit. Politisch ist sein Werk durch die Art, wie es gesellschaftliche Wirklichkeit und die Dynamik des Lebens sprachlich erfahrbar macht. Auch darin lässt sich Mujila mit Erich Fried verbinden: Beide stehen für eine Literatur, die nationale und sprachliche Grenzen überschreitet. Aus dem Kongo stammend, in Graz lebend und sechssprachig schreibend, verkörpert Mujila eine Literatur, die kulturelle Offenheit lebt. Mit Mujila hat Daniela Seel einen äußerst würdigen Preisträger gewählt.“ – Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler

Die Preisverleihung findet am Sonntag, 15. November 2026 um 11.00 Uhr im Literaturhaus Wien statt. Daniela Seel wird auch bei der Verleihung die Laudatio auf den Preisträger halten.

Fiston Mwanza Mujila

Fiston Mwanza Mujila, 1981 in Lubumbashi (DR Kongo) geboren, lebt und arbeitet seit Jahren in Graz, schreibt vorwiegend auf Französisch Lyrik, Prosa und Theaterstücke und unterrichtet Literaturen afrikanischer Länder an der Universität Graz. Für seinen 2016 bei Zsolnay erschienenen Debütroman Tram 83 (aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Katharina Meyer und Lena Müller) erhielt er zahlreiche Preise, darunter den Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt.

2022 veröffentlichte Fiston Mwanza Mujila seinen zweiten Roman Tanz der Teufel (wieder bei Zsolnay, wieder in der Übersetzung von Katharina Meyer und Lena Müller) und den Lyrikband Kasala für meinen Kaku (Ritter Verlag, aus dem Französischen ins Deutsche übertragen von Elisabeth Müller).

2009 erhielt Fiston Mwanza Mujila das Stipendium als Grazer Stadtschreiber. Er wurde vielfach ausgezeichnet (Auswahl): Peter Rosegger Literaturpreis (2018), Prix Les Afriques (2021), Preis der Literaturhäuser und George Saiko Reisestipendium (beide 2024), Literaturpreis der Stadt Graz/Franz-Nabl-Preis (2025).
Die Deutsche Oper Berlin hat ihn für die kommende Spielzeit (2026/2027) als Poet in Residence eingeladen.

Erich Fried Preis

Der Erich Fried Preis ist eine der renommiertesten literarischen Auszeichnungen Österreichs und wird seit 1990 durch die Internationale Erich Fried Gesellschaft vergeben. Über die Vergabe entscheiden von jedes Jahr neu bestimmten Einzeljuror:innen entschieden. Die Auswahl der Juror:in trifft ein biennal wechselndes dreiköpfiges Kuratorium aus Mitgliedern der Erich Fried Gesellschaft. Derzeit gehören dem Kuratorium die Autorinnen Pegah Ahmadi, Hanna Engelmeier und Olga Grjasnowa an.
Der Preis wird vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport gestiftet und ist mit EUR 15.000 dotiert.
Preisträger:innen der letzten Jahre waren u. a. Teresa Präauer, Steffen Mensching, Esther Kinsky, Frank Witzel, Melinda Nadj Abonji, Thomas Kunst, Urs Allemann und zuletzt Cemile Sahin.

 

Presseaussendung Internationale Erich Fried Gesellschaft & Literaturhaus Wien / Red.