Der literarische Beirat der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft hat nach eingehenden Beratungen vorgeschlagen, die Schriftstellerin Laura Freudenthaler mit diesem Preis auszuzeichnen. Laura Freudenthaler zählt seit vielen Jahren zu den anerkanntesten Schriftstellerinnen Österreichs, die auch international großes Interesse erfahren, wie die vielen Übersetzungen ihrer Werke in mehr als 14 Sprachen beweisen.
„Laura Freudenthaler, die in Salzburg geborene und in Wien lebende Autorin und Übersetzerin, steht in der sprachskeptischen, phantastischen und feministischen Tradition der österreichischen Erzählliteratur und fügt ihr eine originelle Stimme und unverwechselbare Perspektive hinzu. Freudenthalers Bücher zeichnen sich durch einen genauen Blick auf die Welt aus, sie schreibt mit einem kritischen Bewusstsein für das, was schiefläuft in der Gesellschaft, im Verhältnis der Geschlechter, im Umgang mit der Natur. Wie im Werk Christine Lavants ist auch in Freudenthalers Erzählungen und Romanen die Literatur Ausdruck individueller Wahrnehmung und zugleich Werkzeug der Beobachtung des großen Ganzen.
Seit ihrem Erzählband „Der Schädel von Madeleine. Paargeschichten“ (2014) probt Freudenthaler immer wieder neue literarische Zugänge zu gelingenden und misslingenden zwischenmenschlichen Beziehungen, präzise, lapidar, mit der Kunst der poetischen Nüchternheit. Im Zentrum ihres Debütromans „Die Königin schweigt“ (2017) stehen ein Frauenschicksal, dessen tragische Wendungen in einer kristallinen Sprache erzählt werden, und die Frage nach der Möglichkeit, sich aus einem Leben heraus zu erzählen. In ihrem zweiten Roman „Geistergeschichte“ (2019) bringt die unzuverlässige Erzählerin das Gefüge der Geschichte ins Wanken und mit „Arson“ (2023) liefert die Autorin einen ebenso eleganten wie grausamen Beitrag zur Climate-Fiction, greift aber auch weit über dieses Genre hinaus. In ihrem jüngsten Roman „Iris“ (2026) seziert Freudenthaler unsere Gegenwart und zeigt eindrücklich, dass sich Machtmissbrauch in die Körper einschreibt und niemand davon unberührt bleibt.
Laura Freudenthalers Figuren stehen in einem erzählerischen Kosmos der beiläufigen Ungeheuerlichkeit, der aus dem individuellen Erleben und Erfahren ein Abbild einer Welt an der Kippe, am Rande des Untergangs macht. Die diesjährige Preisträgerin des Christine-Lavant-Preises schreibt in konzentrierten Erzählbewegungen, dicht und schnörkellos, über die großen Themen, über Identität und Körpererfahrung, Erinnerung und Verlust, über das Gelingen und das Scheitern, über Klimakatastrophe und weibliche Selbstbehauptung Geschichten, die man nicht mehr vergisst.“ – Begründung der Jury
Dem literarischen Beirat der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft gehören Manfred Müller, Gudrun Hamböck, Alma Vallaza, Karin S. Wozonig und Erich Klein an.
Laura Freudenthaler
Geboren 1984 in Salzburg, lebt und arbeitet in Wien. Sie debütierte 2014 mit dem Erzählband „Der Schädel von Madeleine“ (muery salzmann). Für ihren Roman „Die Königin schweigt“ (Droschl) erhielt sie den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis. Dieser wurde 2018 als bester deutschsprachiger Debütroman beim „Festival du premier Roman“ in Chambéry ausgezeichnet. Für „Geistergeschichte“ (Droschl, 2019), ihren zweiten Roman, erhielt sie den Literaturpreis der Europäischen Union. 2020 gewann sie den 3at-Preis bei der Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für ihren Text „Der heißeste Sommer“. 2024 wurde sie mit dem Anton-Wildgans-Preis ausgezeichnet.
Zuletzt erschienen im Jung und Jung Verlag Salzburg: „Arson“ (2023) und der Roman „Iris“ (2026), der für die Longlist zum österreichischen Buchpreis 2026 nominiert wurde.
Der Christine Lavant Preis
Der Christine Lavant Preis wurde von der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft 2016 ins Leben gerufen, um an die Dichterin und ihr großartiges Werk zu erinnern. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis für Lyrik und Prosa würdigt Schriftsteller:innen, die in ihrem literarischen Schaffen – so wie auch Christine Lavant – einen hohen ästhetischen Anspruch mit humaner Haltung und gesellschaftskritischem Blick vereinen.
Der Preis wird auf Vorschlag der international besetzten Jury an Personen vergeben, die in deutscher Sprache schreiben und die von der Öffentlichkeit bereits als wichtige literarische Stimmen wahrgenommen wurden. Kathrin Schmidt, Bodo Hell, Klaus Merz, Angela Krauß, Judith Schalansky, Maja Haderlap, Alois Hotschnig, Yevgeniy Breyger, Ann Cotten und Ulrike Draesner sind die bisherigen 10 PreisträgerInnen.
Matinee und Preisverleihung
Der Christine Lavant Preis wird auch dieses Jahr wieder im Rahmen einer festlichen Matinee am Sonntag, 4. Oktober um 11 Uhr verliehen.
Im Burgtheater Kasino am Schwarzenbergplatz wird die österreichisch-schweizerische BURG-Schauspielerin Franziska Hackl aus Briefen und aus dem Werk von Christine Lavant lesen, musikalisch umrahmt vom Noreia String Quartet.
ORF Kulturchef Martin Traxl moderiert.
Sponsoren, Förderer, Mitglieder
Die Aktivitäten der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft, im Besonderen die Dotierung des Christine Lavant Preises mit Matinee und Preisverleihung, werden von der KELAG, der Berndorf Privatstiftung, dem Land Kärnten, der Hans Schmid Privatstiftung und durch Beiträge der fördernden und ordentlichen Mitglieder der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft finanziell unterstützt.
Medienpartner
Der ORF, die BURG, die Wochenzeitung DIE FURCHE, das Magazin NEWS und die APA Austria Presse Agentur begleiten die Aktivitäten der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft als Medienpartner.
Weitere Informationen zur Internationalen Christine Lavant Gesellschaft finden Sie auf der Website www.christine-lavant.com
Presseaussendung Christine Lavant Gesellschaft / Red.