Die Autor:innen Ruth Amstutz, Lisa Bolyos, Dîlan Çapan, Anna Fišerová, Laura Milè, Valerie Prinz, Lio Adam Sitzberger, Lotti Spieler, Anuri Tharayil und Raphael Tissing stehen auf der Shortlist für den „Wortmeldungen Ulrike Crespo Förderpreis für kritische Kurztexte 2026“. Nominiert wurden sie für ihre Texte zum Thema „‚Die Zeit in die Hand nehmen‘ – Wie lässt sich schreibend einer Gegenwart begegnen, die wenig Raum für eigene Zeitgestaltung lässt?“, formuliert von Ivna Žic, der Trägerin des Wortmeldungen-Literaturpreises 2026.

Der „Wortmeldungen Ulrike Crespo Förderpreis für kritische Kurztexte“ fördert junge literarische Stimmen und ermutigt sie dazu, aktuelle gesellschaftliche Themen und Diskurse in den Fokus zu nehmen und eigene literarische Positionen zu entwickeln. Mehr als 700 Nachwuchsautor:innen, die noch keine eigenständige literarische Buchpublikation veröffentlicht haben, folgten dem Aufruf und reichten unveröffentlichte Texte ein.

„Wie verschafft man sich in unserer Gegenwart Freiräume für die eigene Zeitgestaltung? Und welche Strukturen und politischen Entscheidungen verhindern diese? Auf eindrucksvolle Weise erweitern die ausgewählten Texte der Shortlist mit ihren Themen und Erzählweisen den Blick auf diese Fragen. Sie nähern sich Biografien an, die unter dem Druck von bürokratischer Überlastung, chronischer Krankheit oder transgenerationalem Trauma stehen. Ob in der Kälte institutioneller Systeme, in der Stille der Isolation oder im Angesicht komplexer gesellschaftlicher Umbrüche: Die Autor:innen finden eine eindringliche, tastende Sprache für Erschöpfung, Ohnmacht und Erinnerung – und fordern so jenen Raum zurück, der zunehmend infrage gestellt wird.“ – Jurybegründung für die Auswahl der Shortlist

Der Jury gehören an: Anvar ?ukoski (Programmleiter für deutschsprachige Literatur, Kiepenheuer & Witsch), Albert Henrichs (Programmleitung deutschsprachige Literatur, S. Fischer Verlage), Corinne Orlowski (Literaturkritikerin und Kulturjournalistin), Tanja Raich (Lektorin und Autorin), Francis Seeck (Professor:in für Soziale Arbeit), Patrick Sielemann (Programmleiter Belletristik bei Aufbau und Blumenbar) und Ralph Tharayil (Autor). Sie wählten aus den anonymisierten Einsendungen die zehn Shortlist-Texte aus.

Wortmeldungen-Förderpreis 2026: Die Shortlist

  • Ruth Amstutz hat Visuelle Kommunikation und Philosophie studiert und in Kulturwissenschaften promoviert. Sie arbeitet als freie Autorin und Herausgeberin sowie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Zürcher Hochschule der Künste. Ruth ist Teil des Talkie Walkie Collective. 2026 war sie Residentin in der Fundaziun Nairs.
  • Lisa Bolyos lebt in Wien, hat ein Kind und arbeitet als Autorin und Journalistin. Für ihre Kurzgeschichten wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Momentan arbeitet sie an ihrem Dramadebüt “Unter Häusern” und gemeinsam mit neun anderen Autor:innen an der Anthologie „Schatten/Dorf. Prosa, Lyrik, Drama“.
  • Dîlan Çapan ist Autorin, Regisseurin und Performancekünstlerin. Ihre genreübergreifenden Texte realisiert sie für Theater und audio-visuelle Installationen, zudem erschienen sie in Katalogen. Sie war u.a. Writer in Residence des Kunstverein München und im Autor:innenförderprogramm von uniT Graz. Sie studierte Philosophie, Theaterwissenschaft und Modedesign und leitete den Habibi Kiosk der Münchner Kammerspiele.
  • Anna Fišerová hat einen Abschluss in Übersetzung und studiert derzeit Slawistik in Leipzig und Brüssel sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie veröffentlicht Lyrik auf Tschechisch und Deutsch, u. a. in: die horen, Psí víno. Sie war Preisträgerin des Lyrikpreises Ji?ího ?ervenky (2025), ist nominiert für den Lyrikpreis Františka Halase und Gewinnerin der Residenz Leipzig-Brünn 2026.
  • Laura Milè schreibt Drama, Lyrik und Essay. Sie arbeitet als Übersetzerin, in der Theaterpädagogik und der Gastronomie. Studium der Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin und Rabat, danach Szenisches Schreiben an der UdK Berlin und am Institut für Sprachkunst in Wien.
  • Valerie Prinz ist Autorin und arbeitet genreübergreifend. Für ihre Recherche in Queer Ecologies wurde sie ins Institute for Postnatural Studies eingeladen und war auf einer Essay-Residenz am Frans Masereel Centrum. 2025/26 wurde sie mit dem Hans-Weigl-Stipendium für Literatur ausgezeichnet, 2025 mit dem Wiener Werkstattpreis für Literatur. Mit KOLLEKTIV WIEN entstehen Soundformate. Sie arbeitet derzeit an ihrem Debütroman.
  • Lio Adam Sitzberger beschäftigt sich (schreibend) mit Körpern in queeren und crip Kontexten, Pflanzen und Utopien. Lio studierte Sprachwissenschaften und Gender Studies, und arbeitet(e) u.a. in Öffentlichkeitsarbeit, als Workshop-Trainer:in sowie als Jugendarbeiter:in.
  • Lotti Spieler studiert Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Sie war mehrfach Preisträgerin des Treffens junger Autor:innen sowie des lyrix Bundeswettbewerbs für junge Lyrik, 2024 Preisträgerin des Klopstock Preis für junge Lyrik, 2026 nominiert für den Lyrikpreis des Open Mike sowie den Berliner Preis für Science Fiction. Derzeit ist sie Stipendiatin des Dramatiker:innenstipendiums der Literar-Mechana.
  • Anuri Tharayil studierte Geschichte, Germanistik und Literarisches Schreiben und Lektorieren. Neben Veröffentlichungen in Magazinen und im Radio wurden Anuris Texte, Audiostücke, Musik und Performances u.a. in der Kaserne Basel, im Theater Neumarkt (Zürich), im Center for Literature (Burg Hülshoff), in den Khoj Studios (Delhi) und im Ballhaus Ost (Berlin) gezeigt. Anuri lebt in Berlin.
  • Raphael Tissing studierte Germanistik und Philosophie in Heidelberg. Anschließend wechselte er in den Justizdienst und studierte an der Hochschule der Justiz Nordrhein-Westfalen. Er arbeitete bei einer Staatsanwaltschaft und an verschiedenen Gerichten. Daneben schreibt er Prosa. „Siehe Anlage“ ist seine erste Einreichung bei einem Literaturwettbewerb.

Die nominierten Texte sind auf wortmeldungen.org/foerderpreis/shortlist zu lesen.

Die Shortlist-Nominierungen sind mit je 500 Euro dotiert. Ende Oktober benennt die Jury die drei Preisträger:innen. Die Förderpreise sind mit insgesamt 15.000 Euro dotiert und werden am 20. November im Rahmen einer Lesenacht mit allen Autor:innen der Shortlist in Frankfurt am Main verliehen. Im Frühjahr werden die zehn Autor:innen der Shortlist zu einem zweitägigen Workshop nach Frankfurt am Main eingeladen.

Wortmeldungen ist ein Programm der Crespo Foundation. Der Förderpreis findet statt in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und Berlin Review. Präsentiert von hr2-kultur.

 

Pressemitteilung wortmeldungen.org / Red.