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BMKÖS: Literaturpreise 2022 vergeben – Mayer gratuliert Isolde Charim, Florian Neuner, Willy Puchner, Thomas Stangl und Julie Völk

Im ersten Quartal des Jahres tagen traditionell die Jurys zur Vergabe der Literaturpreise des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS). Nun stehen die Preisträger:innen des Jahres 2022 fest: Der biennal vergebene Österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik geht an Isolde Charim, der Outstanding Artist Award für Literatur an Florian Neuner. Der Österreichische Kunstpreis für Literatur wird Thomas Stangl zuerkannt. In der Sparte Kinder- und Jugendliteratur werden Julie Völk mit dem Outstanding Artist Award und Willy Puchner mit dem Österreichischen Kunstpreis bedacht.

„Schriftstellerinnen und Schriftsteller verwirklichen alleine damit, dass sie schreiben und veröffentlichen, das Recht, eigene Geschichten zu erzählen, das Recht, ihre Meinung frei zu äußern, und das Recht, ihre Vorstellungen öffentlich zur Diskussion zu stellen. Sie stellen Fragen, bringen uns auf Ideen, erweitern unseren Blick, vergrößern unseren Horizont und bereiten uns Vergnügen. Einige herausragende österreichische Künstlerinnen und Künstler, die diese für uns alle wichtigen Werke schreiben, werden auch heuer wieder mit einem Literaturpreis der Republik ausgezeichnet“, so Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer und weiter: „Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich zu dieser Auszeichnung und danke den Jurorinnen und Juroren für die wohlbedachte Auswahl an wunderbaren Schriftstellerinnen und Schriftstellern.“

Die Jurybegründungen im Detail

Der biennal vergebene Österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik geht an Isolde Charim. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

„Als Kulturpublizistin ist die Philosophin Isolde Charim eine präzise Beobachterin und Analytikerin der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrem Heimatland Österreich und darüber hinaus. Isolde Charim sucht nicht nach leicht erklärbaren Symptomen gesellschaftlicher und kultureller Phänomene wie Identitätspolitik, Populismus und religiösem Fundamentalismus, sondern nach deren schwer zu erkennenden Ursachen. In ihren regelmäßigen Kolumnen für in- und ausländische Medien gelingt es ihr, aktuelle Kritik an politischen Entwicklungen und Entscheidungen mit fundamentalen philosophischen Ansichten zu verbinden. Ihr stark rezipiertes Werk ‚Ich und die Anderen‘ (2018) richtet sich an ein breites Publikum. Charim beschreibt darin mit großem Engagement und in wohltuend unprätentiöser Sprache den ihrer Meinung nach zentralen politischen Schauplatz der Gegenwart, den Kampf gegen die pluralistische Gesellschaft. Auf beeindruckende Weise gelingt es ihr, dessen Ausprägungen philosophisch versiert, differenziert und anschaulich zu analysieren. Isolde Charim macht es sich bei ihren Diagnosen nicht leicht. Widerspruch und das Unterlaufen von Erwartungen ihrer Leserschaft sind ihr dabei weder rhetorische Mittel noch selbstgefällige Pose, sondern münden vielmehr in ein glaubwürdiges Plädoyer für eine freie Gesellschaft, in der individuelle Ansprüche verwirklicht werden können und sollen. Mit ihrer Arbeit und ihrem Werk leistet Isolde Charim nicht nur einen wichtigen Beitrag zu gesellschafts- und kulturpolitischen Debatten, sondern auch zur Selbstverortung des Einzelnen innerhalb einer freien und pluralistischen Gesellschaft“, so die Jury, der Benedikt Föger, Univ.-Prof. em. Dr. Thomas Macho, Mag.a Andrea Fredriksson-Zederbauer angehörten.

Der mit 10.000 Euro dotierte Outstanding Artist Award für Literatur geht heuer an Florian Neuner.

„Florian Neuners Schreiben steht in den Traditionen des Experiments. In seinem ersten Buch ‚Und käme schwarzer Sturm gerauscht‘ (2001) spielen Montageverfahren eine zentrale Rolle. Die Auseinandersetzung mit der Collagetechnik gipfelt in dem Prosaband Zitat Ende (2007). Mit Lust und Witz werden in ‚Ramsch‘ (2019) die trivialen Erzählmuster zeitgenössischer Romanproduktion auf den Punkt gebracht. Daneben betreibt Neuner literarische Stadtforschung, in ‚Ruhrtext‘ (2010) und ‚Rost‘ (2021) steht Dokumentarisches neben dezidiert subjektiven Lektüren urbaner Räume. Florian Neuners Werk ist – im schönsten Sinn des Wortes – ein weites Feld jenseits narrativer Klischees“, so die Jury, der Dr. Sebastian Fasthuber, Mag.a Dr.in Katja Gasser und Margret Kreidl angehörten.

Der Outstanding Artist Award für Literatur wird jährlich an eine Autorin/einen Autor der jüngeren oder mittleren Generation vergeben, die/der bereits wichtige literarische Veröffentlichungen vorweisen kann.

Der mit 15.000 Euro dotierte Österreichische Kunstpreis für Literatur wird Thomas Stangl zuerkannt.

„In eine Zeit, in der selbstgewiss verlautbarte Standpunkte aufeinanderprallen, stellt Thomas Stangl seit seinem Debüt ‚Der einzige Ort‘ (2004) seine Literatur, in der die Möglichkeiten der Sprache ausgelotet werden, mit der sich ‚Wirklichkeit‘ erst erkunden lässt. Mit seinen Romanen, Erzählungen und Essays legt Stangl ein poetisches Netz über die Wirklichkeit und bereist und befragt diese damit. Er steht in der Tradition eines Prosaschreibens, das nicht zuerst auf die erzählte Geschichte baut, sondern auf die Wahrnehmung von Welt, die beeinflusst ist von Sprache, Denken und Erinnerung. Thomas Stangl eröffnet einen Raum der Verwandlung, der zugleich den Blick auf die Verhältnisse schärft“, so die Jury mit Dr. Bernhard Fetz, Mag.a Sabine Gruber und Dr.in Brigitte Schwens-Harrant.

Der Österreichische Kunstpreis für Literatur wird für das literarische Gesamtwerk einer österreichischen Autorin bzw. eines österreichischen Autors vergeben.

In der Sparte Kinder- und Jugendliteratur werden Julie Völk mit dem Outstanding Artist Award und Willy Puchner mit dem Österreichischen Kunstpreis ausgezeichnet. Der Jury gehörten Renate Habinger, Mag.a Magda Hassan, Leonora Leitl, Mag. Franz Lettner und Dr.in Heidi Lexe an. Dotation: 10.000 bzw. 15.000 Euro.

Jurybegründung zu Julie Völk: „Wem folge ich zuerst? Der kleinen Straßenbahn auf ihrer Rundfahrt durch die Stadt? Oder doch dem kleinen Autozug, der eine Zirkustruppe – tja – wohin führt? Beim Betrachten von Julie Völks Bildern verliert man sich in der Zeit, indem man sich in Räumen zurechtfindet, Farbstimmungen nachspürt und mit ihren Figuren gemeinsam deren Lebenswege nachzeichnet. Julie Völk verwendet verschiedenste Illustrationstechniken von Cyanotypie bis Pastellkreidezeichnung. Dabei ist ihr zarter Stil immer unverwechselbar wiederzuerkennen. Ihre feinen Bleistiftzeichnungen zeigen detailreich Kinder und ihre Erwachsenen, die sparsam eingesetzten zarten Farbtöne unterstreichen das Dargestellte. Ihre Kompositionen lassen uns über Landschaften und Stadtansichten schweben und unwillkürlich sucht das Auge wunderbare Landeplätze, um ins Geschehen einzutauchen. Behutsam nähert sie sich auch schwierigeren Themen, inszeniert Märchen neu und ist dabei immer ganz nah an der Zielgruppe.“

Jurybegründung zu Willy Puchner: „Mit großer Feinfühligkeit, neugierigem Spieltrieb und poetischer Kindlichkeit zerlegt Willy Puchner die Welt, die uns zum Alltag geworden ist und setzt sie in seinen Büchern zu phantastischen Wunderwelten zusammen. Hier begegnen sich Fundstücke und Fabelwesen in ungewöhnlichen Szenarien, die zum Erzählen und Neuentdecken einladen. Zwischen erzählendem Bilderbuch und Sachbuch kreiert Willy Puchner seine eigene und sehr persönliche Art der Narration: Seine „Materialbücher“ sind kunstvolle Wunderkammern voller Eindrücke und Geschichten, die dazu anregen, die eigenen Wunderwelten und sich selbst in ihnen zu entdecken. Der Österreichische Kunstpreis für Kinder- und Jugendliteratur 2022 ehrt mit Willy Puchner einen Künstler, der mutig und in unverwechselbarer Handschrift vom Bereisen und Sammeln von Welten erzählt und zum Gestalten einlädt. Willy Puchner beweist, dass Bilderbücher Kunstwerke sein können und dass sich Kinderbücher nicht an ein Alter, sondern an das Kind im Menschen richten.“

 

Presseaussendung Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport

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