Der vierzehnte Leo-Perutz-Preis für Wiener Kriminalliteratur wurde am 10. Oktober im Rahmen des Autor:innenempfangs der Kriminacht im Wiener Kaffeehaus im Hotel Imperial an Kurt Palm verliehen. Der diesjährige Preisträger wurde für seinen Kriminalroman „Der Hai im System“ (Leykam Verlag) ausgezeichnet.
Der mit 5.000 Euro dotierte Literaturpreis wurde von Benedikt Föger, dem Präsidenten des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, überreicht. Der Leo-Perutz-Preis wird gemeinsam von der Stadt Wien Kultur und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gestiftet und mit freundlicher Unterstützung der Bestattung Himmelblau ausgerichtet.

Auf der Shortlist für den Leo-Perutz-Preis 2023 waren insgesamt fünf Werke zu finden: Neben Kurt Palm waren auch Markus Deisenberger mit „Winter in Wien“ (Edition Laurin), Peter Lorath mit „Fluch der Venus – Wiener Abgründe“ (Piper Verlag), Beate Maly mit „Aurelia und die letzte Fahrt“ (DuMont Buchverlag) und Günther Mayr mit „Herr Kuranaga“ (Carl Ueberreuter Verlag).
Die Laudatio hielt der Autor und Vorjahressieger Uli Brée. Im Anschluss lasen alle Nominierten an unterschiedlichen Locations der Kriminacht im Wiener Kaffeehaus.

Der Autor

Kurt Palm wurde 1955 in Vöcklabruck geboren und lebt als Autor und Regisseur in Wien. Palm wurde mit der gefeierten TV-Produktion „Phettbergs Nette Leit Show“ (1994-96) bekannt. Sein Bestseller „Bad Fucking“ (Residenz 2010) wurde 2011 mit dem Friedrich Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Krimi des Jahres ausgezeichnet und war auch als Film erfolgreich. Zuletzt erschienen seine Romane „Strandbadrevolution“ (Deuticke 2017) und „Monster“ (Deuticke 2019).

Aus der Begründung der Jury

„Eigentlich dürfte Kurt Palm diesen Preis ja gar nicht gewinnen. Es gibt weder einen Ermittler, noch einen klassischen Mord. Im Gegenteil, in seinem Buch ist schnell klar, dass die ganze Sache nicht gut ausgehen kann. Dass sich da ein Katastrophen-Magma zusammenbraut und irgendwann ganz gewaltig explodieren wird. Aber das ist egal. Das macht es sogar noch spannender. Weil man zwar weiß, dass es passiert, aber nicht wie es passiert. Seine Figuren, alles kranke und verletzte Seelen, manövrieren sich selbst in ihre Abgründe. Sie steuern regelrecht auf ihre eigenen und gemeinsamen Katastrophen zu, um sich am Ende ineinander zu verkanten. „Der Hai im System“ ist ein Buch, das schmerzt. In seiner direkten Sprache und seiner nüchternen Aufrichtigkeit. Wer ein Happy-End sucht, sollte eher die Allergene in Speisekarten studieren. Und wir? Was ist mit uns Schaulustigen am Straßenrand der Wirklichkeit? Wir begreifen, warum das alles passiert. Und weil wir es wissen, fühlen wir mit, ertasten in uns selbst unsere eigenen UN-Fassbarkeiten, UN-Konsequenzen und UN-Gereimtheiten und sind gleichzeitig UN-glaublich erleichtert darüber, dass unser Leben nicht so scheiße aussieht, wie bei den drei Anti-Protagonisten und Protagonistinnen. Wir sind – hoffentlich – noch einmal davongekommen.“

Die Jury

Die Jury 2023 besteht aus Jury-Sprecherin Sylvia Fassl-Vogler (Stadt Wien Kultur), Susanne Remmer (HVB, Buchhandlung Franz LEO & Comp.), Uli Brée (Leo-Perutz-Preisträger 2022), Ina Rossak (Thalia) und Silvia Vertetics (Bestattung Himmelblau).

Der Preis

Mit dem Leo-Perutz-Preis für Wiener Kriminalliteratur, der jährlich vergeben wird, werden Krimis ausgezeichnet, deren Qualität und literarischer Anspruch an den namensgebenden österreichischen Literaten erinnern. Darüber hinaus sollen die ausgezeichneten Werke möglichst innovativen Charakter haben und einen Wien-Bezug aufweisen.

 

Pressemeldung Hauptverband des Österreichischen Buchhandels / Red.