Aus zwölf Autor:innen der Longlist wählte die Jury drei Autor:innen aus, deren Werke durch eine mutige und raffinierte Sprache geprägt sind und ihre Wirkung besonders im bewusst Ausgelassenen entfalten. Nina Bußmann, Marius Goldhorn und Ozan Zakariya Keskinkiliç stehen auf der Shortlist für den Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026. Ausschlaggebend für die Auswahl waren sprachliche Präzision und ästhetische Originalität.
Seit 1953 würdigt der Kulturkreis literarische Talente, darunter früh Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann und Paul Celan, in jüngerer Zeit Autor:innen wie Clemens J. Setz, Nino Haratischwili und Dorothee Elmiger. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und richtet sich an Autor:innen bis zu 45 Jahren, deren Werke durch literarische Qualität, sprachliche Innovation und ästhetisches Wagnis herausragen.
Zur diesjährigen Jury unter Leitung von Dr. Marcella Prior-Callwey gehören die Fachberater:innen Maryam Aras (Literaturkritikerin und Autorin), Dr. Ronald Düker (Literaturkritiker) und Barbara Mundel (Intendantin, Münchner Kammerspiele) sowie Mitglieder des Gremiums Literatur des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.
Die Nominierten
- Nina Bußmann wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren und lebt in Berlin und im Wendland. Für ihre Romane, darunter „Große Ferien“ und „Dickicht“ (beide Suhrkamp Verlag), erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Robert Gernhardt Preis (2019), den 3sat-Preis (2011) sowie das Alfred-Döblin-Stipendium (2022). 2025 erhielt sie das Arbeitsstipendium Literatur des Berliner Senats.
Jurybegründung: In „Drei Wochen im August“ entwirft Nina Bußmann ein Kammerspiel um eine Reisegruppe, für die plötzlich alles sicher Geglaubte auf dem Spiel steht. Ein Paar, eine Familie, vielleicht eine ganze Gesellschaft gerät in Gefahr. Während sich Waldbrände bedrohlich dem Ferienhaus am Meer nähern, seziert der Roman mit psychologischer Präzision die inneren Verheerungen seiner Figuren. Ob das Fegefeuer von innen oder von außen brennt, bleibt das Mysterium dieses Romans. - Marius Goldhorn wurde 1991 in Lahnstein geboren und ist Autor des Romans „Park“ (Suhrkamp Verlag) und des Gedichtbandes „Yin“ (Korbinian Verlag). Seine Erzählungen und Essays wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 erscheint sein zweiter Roman bei Kiepenheuer & Witsch.
Jurybegründung: Marius Goldhorn ist mit seiner Near-Future-Dystopie „Die Prozesse“ ein vielgestaltiger Gesellschaftsroman für das 21. Jahrhundert gelungen. In reduzierter, zugleich poetisch verschlüsselter Sprache entwirft Goldhorn eine Welt, in der digitale Realitäten, Klimawandel, politische Kämpfe um Umverteilung und koloniale Wiedergutmachung ineinanderfließen. Vor dieser Kulisse erzählt Goldhorn in lakonischer Introspektive eine queere Liebesbeziehung. So entsteht ein Roman von komplexer Erzählkunst, der persönliche Beziehungen und globale Umbrüche ineinander verschränkt und seine Leser:innen mit großer atmosphärischer Dichte in den Bann zieht. - Ozan Zakariya Keskinkiliç, geboren 1989, studierte Politikwissenschaft in Wien, Berlin und Cambridge. 2022 erschien sein Lyrikdebüt „Prinzenbad“ (Elif Verlag), 2023 das Sachbuch „Muslimaniac. Die Karriere eines Feindbildes“ (Verbrecher Verlag). Seine Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u. a. in „anders bleiben“ (Rowohlt, 2023), und in mehrere Sprachen übersetzt. Er wurde u. a. für den Clemens-Brentano-Preis und den Dresdner Lyrikpreis nominiert und erhielt 2025 den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Hundesohn ist sein erster Roman.
Jurybegründung: Witzig und berührend erzählt „Hundesohn“ von einer Identitätssuche im heutigen Berlin. Die Hauptfigur Zeko bewegt sich zwischen Literatur, queerer Dating-App und der Sehnsucht an seine Liebe aus Kindertagen in der Türkei. Die komplizierte Beziehung aus Annäherung, Nähe und Gewalt bestimmen Zekos Handeln, Fühlen und Denken. Keskink?l?çs Roman widmet sich Fragen nach Migration, Männlichkeit und Begehren. So entsteht eine Welt über die Grenzen zwischen Ländern, Sprachen und Körpern hinweg. Aus all dem wird hier große Literatur.
Shortlist-Lesung in den Münchner Kammerspielen
Am 7. Mai werden die nominierten Werke in den Münchner Kammerspielen von den Autor:innen und Schauspieler:innen des Ensembles auf die Bühne gebracht. Moderiert wird der Abend von der Literaturkritikerin Marie Schoeß. Die Jury tagt unmittelbar im Anschluss an die Lesung und entscheidet über die Vergabe des Preises.
Tickets für den Abend sind ab sofort im Vorverkauf der Münchner Kammerspiele erhältlich.
Preisverleihung
Die Verleihung des Literaturpreises der deutschen Wirtschaft 2026 findet am 9. Oktober im Rahmen der 75. Jahrestagung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft statt
Weitere Informationen zum Literaturpreis sind auf der Website des Kulturkreises zu finden: Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026
Der Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026 wird von der Deutsche Bank Stiftung gefördert.
Über den Literaturpreis der deutschen Wirtschaft
Seit 1953 zeichnet der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft herausragende Talente der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus. Der gattungsübergreifende Literaturpreis der deutschen Wirtschaft ist mit 20.000 Euro dotiert und wird jährlich an Autor:innen bis zu 45 Jahren verliehen, deren Werke durch hohe literarische Qualität überzeugen. Zu den Preisträger:innen, die der Kulturkreis schon frühzeitig gefördert hat, zählen Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Günter Grass, Nelly Sachs, Marie Luise Kaschnitz, Elias Canetti, Robert Menasse, Daniel Kehlmann, Clemens J. Setz, Nino Haratischwili und Dorothee Elmiger.
Über den Kulturkreis der deutschen Wirtschaft
Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft wurde 1951 gegründet und ist die traditionsreichste Institution für unternehmerische Kulturförderung in Deutschland. Als unabhängiges Netzwerk engagierter Unternehmen setzt er sich für Kunstfreiheit als zentrale Säule der Demokratie ein. Im Zentrum seiner Arbeit steht seit über 70 Jahren die Förderung von Nachwuchstalenten in den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur und Musik. Dank Mitgliedsbeiträgen und Spenden konnte der Kulturkreis bereits zahlreiche Kunstschaffende zu Beginn ihrer Karriere unterstützen. Neben den oben genannten literarischen Größen zählen dazu herausragende Persönlichkeiten wie Georg Baselitz, Sabine Meyer, Katharina Sieverding, Tabea Zimmermann, Rosemarie Trockel, Candida Höfer und Thomas Demand.
Über die Deutsche Bank Stiftung
Die Deutsche Bank Stiftung zielt mit ihren Aktivitäten auf die Entwicklung und nachhaltige Stärkung von Potenzialen insbesondere junger Menschen. Sie initiiert und unterstützt Projekte, die diesen neue Erfahrungsräume eröffnen und sie dazu befähigen, ihre individuellen Begabungen zu entfalten. Ebenso ermutigt sie den künstlerischen Nachwuchs, neue Wege auszuprobieren und professionelle Fähigkeiten weiter auszubauen. Sie trägt mit zahlreichen Projekten zur Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte bei und stärkt die Chancengerechtigkeit für benachteiligte Gesellschaftsgruppen. Nicht zuletzt fördert die Stiftung das vielfältige kulturelle Leben in Deutschland. Weltweit engagiert sie sich gemeinsam mit starken Partnern in der Katastrophenprävention.
Presseaussendung Callwey Verlag / Red.