Die 1984 gegründete Theodor Kramer Gesellschaft vergibt seit 2001 alljährlich den Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil. Der diesjährige Preis wurde der Wiener Historikerin, Autorin und Filmemacherin Helene Maimann zugesprochen.

„Helene Maimann hat sich seit frühen Jahren mit Exil und Widerstand auseinandergesetzt. Sie kommt aus einem Milieu, dem in der Nachkriegszeit kaum Beachtung geschenkt wurde: den Rückkehrern aus der Emigration.
Ihre Eltern waren jüdische Flüchtlinge, ihr Vater kam als britischer Besatzungssoldat nach Wien zurück. Über das lebenslange Trauma der Eltern, der Verlust fast der ganzen großen Familie in der Schoah, herrschte Schweigen. Es galt, nach vorne zu schauen und auf ein besseres Leben zu hoffen. Helene Maimann ging den Spuren der Eltern bereits in ihrer Dissertation über die österreichische Emigration in Großbritannien nach und schrieb eine Reihe von Essays über die sozialen, kulturellen und sprachlichen Probleme von Widerständigkeit, Verfolgung, Flucht und Exil, aber auch über die Möglichkeiten, die ein stürmisches Leben eröffnen kann. Als Historikerin, Schriftstellerin, Ausstellungs- und Filmemacherin erreichte sie ein breites Publikum und trägt maßgeblich zum heutigen Wissen über das humanistische, kritische und weltoffene „Andere Österreich“ bei.“ – Begründung der Jury

„Helene Maimann ist die scharfsinnige Erzählerin unserer Generation, deren Eltern uns beigebracht haben, den Kopf hochzuhalten und uns mit der Welt auseinanderzusetzen.“ – Robert Schindel

Helene Maimann

Helene Maimann wurde in Wien geboren und ist Historikerin, Autorin und Filmemacherin. Sie kuratierte mehrere große Ausstellungen zur österreichischen Zeitgeschichte und wurde u. a. mit dem Karl-Renner- Publizistikpreis (2011), dem Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauenforschung (2017) und dem Axel-Corti-Preis (2019) ausgezeichnet. Bei Zsolnay erschien 2023 Der leuchtende Stern. Wir Kinder der Überlebenden.

Theodor Kramer Preis

Mit dem Preis soll nicht allein die literarische Qualität gewürdigt werden, sondern darüber hinaus die Haltung und das Schicksal der Preisträgerin oder des Preisträgers. Damit will die Theodor Kramer Gesellschaft eine große Literatur würdigen, die im Widerstand und im Exil entstanden ist und entsteht, und zugleich ein Zeichen setzen, dass in Österreich nicht alles in eine Richtung verläuft, dass dies ein Land mit seinem Widerspruch ist und im Widerspruch und Ringen mit sich selbst auch weiterschreitet.

Der mit 8.000 Euro dotierte Preis ist nicht allein Österreichern und Menschen, die aus Österreich vertrieben wurden, vorbehalten. Auch das Schreiben in deutscher Sprache ist keine Bedingung. Doch in all den Jahren der Zweiten Republik wurden aus Österreich vertriebene Autor:innen höchst selten und nur dann mit Preisen bedacht, wenn sie entweder international schon vielfach preisgekrönt waren oder aber ihren Wohnsitz wieder in Österreich aufgeschlagen hatten.

Zu den bisherigen Preisträger:innen gehören u. a. Ruth Klüger, Martin Pollack, Erich Hackl und Tanja Maljartschuk.

Die Preisverleihung findet am 4. September in Niederhollabrunn statt, unweit des Geburtshauses Theodor Kramers.

 

Presseaussendung Zsolnay Verlag / Red.