Marianne Jungmaier wird für ihr Buch Kontinentaldrift (Otto Müller Verlag) mit dem Ilse-Schwepcke-Preis geehrt, ebenso Hannah Kent für ihr Buch Always Home, Always Homesick (Picador, Pan Macmillan). Mit den Ilse-Schwepcke-Preisen werden eine deutschsprachige und parallel eine englischsprachige Neuerscheinung weiblicher Reiseliteratur ausgezeichnet. Sie sind mit 6000 Euro bzw. 5000 Pfund dotiert.
„Die Stärke des Buchs „Kontinentaldrift“ von Marianne Jungmaier ist seine Erzählerin: ihre Beobachtungsgabe, der aufmerksame, offene, empathische Blick auf die Menschen, von denen sie auf ihren Reisen aufgenommen wird. Ob in Armenien, Islamabad, London, Dubai oder Berlin, ob in den Bergen, am Meer oder in der Wüste, ist sie zu Gast bei Freundinnen und Bekannten, und so sind es die menschlichen Beziehungen, die ihre Route vorgeben. Daraus, wie auch durch die präzise, knappe und stimmungsvolle Sprache, entsteht ein sehr zeitgemäßes Gefühl. Dieses Buch ist „klassische“ Reiseliteratur im besten Sinne der teilnehmenden Wahrnehmung einer unbekannten Landschaft, Gegend, Welt und bettet diese gleichzeitig ein in eine politische und gesellschaftliche Realität, die heute jede Reise begleiten muss“ – die Jury für die deutschsprachigen Titel.
Der Jury gehören die Schriftstellerin Millay Hyatt, die Gründerin der Buchhandlung Weltenleser in Frankfurt am Main, Maria Klöcker, sowie Martina Wimmer, Autorin und Redakteurin für „Kultur und Leben“ bei der Zeitschrift mare, an. Millay Hyatt wurde im vergangenen Jahr mit dem Ilse-Schwepcke-Preis für ihr Buch „Nachtzugtage“ (Friedenauer Presse) ausgezeichnet. Es erscheint unter dem Titel „Days on the Night Train“ im Oktober 2026 beim Armchair Traveller Verlag.
Im Finale für den Preis für einen deutschsprachigen Titel standen:
- Marianne Jungmaier: Kontinentaldrift (Otto Müller Verlag)
- Anneke Lubkowitz: Rebellinnen zu Fuß (Kein & Aber)
- Caro Matzko: Alte Wut (Piper)
- Antje Rávik Strubel: Kein Schnee, nimmermehr (Residenz Verlag)
„Hannah Kent, die in Australien geboren und aufgewachsen ist, machte sich im zarten Alter von 17 Jahren auf den Weg um die halbe Welt in ein Land, das sich kaum stärker von ihrer Heimat unterscheiden könnte – und aus dem sie für immer verändert zurückkehrte. „Always Home, Always Homesick: A Love Letter to Iceland“ ist zum Teil eine Erinnerung an diese erste Reise nach Island, daran, wie sie dem Zauber der dortigen Landschaften erlag, und an die Menschen, die sie in ihre Häuser und ihr Leben aufnahmen. Es geht auch um ihre Begegnung mit der Geschichte von Agnes Magnusdottir, jener Frau aus dem 19. Jahrhundert, die im Mittelpunkt von Kents äußerst erfolgreichem Roman „Burial Rites“ steht. Indem sie an den Freundschaften festhält, die sie während ihrer wiederholten Aufenthalte dort geschlossen hat, hat Kent ihre fortwährenden Island-Reisen zu einem Werk ausgearbeitet, in dem sich ihre Erfahrungen mit ihren Anfängen als Schriftstellerin verflechten. Ihr Schreibstil ist erfrischend präzise, sehr bildhaft, oft witzig und auf jeden Fall mitreißend. Ein eindrucksvoller und überaus unterhaltsamer Bericht über eine tiefe, andauernde Verbundenheit mit Menschen und Orten – zugleich eine Hommage an die Gegenseitigkeit, an das Wechselspiel langjähriger und großzügiger Beziehungen. Es ist eine wahre Freude, dieses Buch zu lesen“ – Jury für die englischen Titel.
Für die Auszeichnung an ein englischsprachiges Buch waren folgende Titel nominiert:
- Hannah Kent: Always Home, Always Homesick (Picador, Pan Macmillan)
- Joanna Pocock: Greyhound (Fitzcarraldo Editions)
- Judith Scheele: Shifting Sands: A Human History of the Sahara (Profile Books)
- Hazel Sheffield: Frontierlands: Britain’s Survival in the Making (Torva, Transworld)
- Helen Watson: Tea and Grit: A Bicycle Journey along the Silk Road (Bradt Travel Guides: Journey Books)
Der zuständigen Jury gehören die die Emeritus-Direktorin des International Booker Prize Fiammetta Rocca, die Buchhändlerin Arabella von Friesen und die Autorin Jacky Colliss Harvey an.
Barbara Schwepcke und Karl-Burkhard Haus, zwei nahe Verwandte, die den Preis vor zwei Jahren initiiert haben, erinnern mit ihm an die engagierte Verlegerin und Herausgeberin der Reihe „The Armchair Traveller“ im Verlag Haus Publishing, London.
„Das geistreiche Reisejournal von Marianne Jungmaier aus allen Ecken der Welt stellt seine Orte aus ungewöhnlichen, mitunter sehr privaten Blickwinkeln dar und macht uns mit witzigen, schrägen Persönlichkeiten bekannt. Wir bedanken uns bei der Preisträgerin für diese privaten Eindrücke — als wären wir dabei gewesen“ – Karl-Burkhard Haus
„Ich möchte mich bei der Jury, Millay Hyatt, Maria Klöcker, sowie Martina Wimmer, bedanken, die eine so großartige Shortlist ausgewählt haben — es war bestimmt schwierig, sich unter so verschiedenen, aber gleich-bewegenden Erzählungen für eine Gewinnerin zu entscheiden, aber sie haben es wieder geschafft. Ganz besonders freut es mich natürlich, dass Millay Hyatt, die Preisträgerin aus dem vergangenen Jahr, mit ihrem Buch „Days on the Night Train“, beim Armchair Traveller Verlag erscheint, den meine Mutter Ilse Schwepcke und ich zusammen vor etwas über 20 Jahren in London gegründet haben“ – Barbara Schwepcke
Weitere Informationen unter: ilseschwepckepreis.de
Pressemitteilung ilseschwepckepreis.de / Red.