Valeria Gordeev erhält den Literaturpreis 2026 der Jürgen Ponto-Stiftung. Ausgezeichnet wird ihr Romandebüt Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle, das am 28. August bei S. Fischer erscheint.

„Der Titel ihres Romandebüts deutet es an: In der gewöhnlichen Hülle eines Buches debütiert hier eine Autorin mit einem eigensinnigen Großprojekt. „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ ist selbst ein Kokon. Was ihm entschlüpft, ist ein sich eindrücklich entfaltender Formwille, ein motivisch organisierter funkelnder Netzwerk- und Systemroman. Gewalt und Traumata werden nicht nur historisch verortet, sondern erscheinen gespeichert in Körpern, Lebensmitteln und Dingen. Dieses monströs und feingliedrig zugleich anmutende Erstwerk bedient auf mehr als 600 Seiten alles, was man von einem großen Buch erwarten darf. Es vereint verschiedene Formen, Töne und Sprechweisen. Die Autorin spinnt darin diverse Erzählstränge, etabliert zahlreiche Themen (alle von Belang!) und lässt mehrere Sprachen ineinander rutschen (Russisch, Deutsch, Ukrainisch). Die Bildsprache ist gewaltig und die von der Autorin gezeichneten Embleme und Piktogramme sind Sachlichkeitsverstärker. „Materialintelligenz!“, ruft Miriam Zeh. „Eine vielstimmig orchestrierte Suite“, sagt Daniela Strigl. „Eigentlich ein Unding!“, gratuliert Hauke Hückstädt. Wenn die Sprache wirklich das Labor unserer Zukunft ist, müssen wir uns doch keine Sorgen machen.“ – Jurybegründung

Der Jury gehören der Fachkurator Literatur der Jürgen Ponto-Stiftung Hauke Hückstädt sowie in diesem Jahr die österreichische Literaturkritikerin Daniela Strigl und die Deutschlandfunk-Redakteurin Miriam Zeh an.

Valeria Gordeev wurde 1986 in Tübingen geboren. Sie arbeitet als Autorin und Illustratorin. 2018 nahm die Autorin an der 13. Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung im Herrenhaus Edenkoben teil. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. 2023 gewann sie im Rahmen 47. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Die Preisverleihung findet am 5. November im Literaturhaus Frankfurt statt.

Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung

Seit 1978 vergibt die Jürgen Ponto-Stiftung einmal im Jahr einen Literaturpreis. War der Preis bislang mit 15.000 Euro dotiert, so erhöht die Stiftung seit heuer das Preisgeld auf 25.000 Euro. Die Auszeichnung unterstützt junge Autor:Innen, die an ihrem ersten Buchmanuskript arbeiten und eine besondere literarische Begabung erkennen lassen.

Die Bewerbung der Autor:Innen erfolgt ausschließlich über den Verlag, in dem das entsprechende Erstlingswerk erscheinen wird. Über den Preisträger entscheidet eine Jury. Ihr gehören der Fachkurator der Stiftung für den Bereich Literatur sowie zwei jährlich neu zu ernennende Autor:innen oder Literaturkritiker:innen an.

Jürgen Ponto-Stiftung zur Förderung junger Künstler

Seit 1977 widmet sich die gemeinnützige Jürgen Ponto-Stiftung der Förderung des künstlerischen Nachwuchses. Sie unterstützt hochbegabte junge Musiker:innen, bildende Künstler:innen sowie Autor:innen, die am Beginn ihrer professionellen Laufbahn stehen. Benannt ist die in Frankfurt am Main und Berlin ansässige und rechtlich selbstständige Stiftung nach dem ehemaligen Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto.

 

Jürgen Ponto-Stiftung / Red.