Der Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026 ist an Marius Goldhorn mit seinem Roman „Die Prozesse“ (Kiepenheuer & Witsch, 2025) gegangen. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft vergibt seit 1953 im Förderbereich Literatur Preise an herausragende junge Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In diesem Jahr standen neben Marius Goldhorn, Nina Bußmann und Ozan Zakariya Keskinkiliç auf der Shortlist des mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreises der deutschen Wirtschaft.

Zum dritten Mal erhielten die nominierten Autor:innen die Möglichkeit, ihre Werke im Rahmen einer ö?entlichen Lesung dem Publikum vorzustellen: Am 7. Mai präsentierten sie ihre Texte in den Münchner Kammerspielen – gemeinsam mit Schauspieler:innen des Ensembles, moderiert von der Literaturkritikerin Marie Schoeß.
Zwischen Lesung und Gespräch entstand ein lebendiger Wechsel: Autor:innen gaben Einblick in ihre Texte und Gedankenwelten, während Schauspielende Passagen neu zum Klingen brachten. Erstmalig tagte die Jury im Anschluss an die Lesung und verkündete die Entscheidung auf der Bühne.

Mit Marius Goldhorn prämieren wir einen Schriftsteller, der sich mit großer literarischer Kühnheit ein Europa der nahen Zukunft kartographiert. Sein zweiter Roman „Die Prozesse“ ist im Brüssel des Jahres 2030 angesiedelt. Die neue Hauptstadt eines vereinigten Europas wird zum Schauplatz eines am Gedenken an die Kolonie Kongo entzündeten Aufstands, in großen Teilen Italiens ist bereits das Dengue-Fieber ausgebrochen. Ein Weltkrieg, der den Kontinent wie nebenbei überzogen hat, gerät fast zur Nebensache. Wie hineingeworfen in diese höchst komplexen Zeitläufe sind der Ich-Erzähler T., ein 3D-Designer, und der Schriftsteller Ezra, ein Liebespaar. Weil Ezra durch eine seltene Hautkrankheit dem sicheren Tod geweiht ist, wiederholt sich die endzeitliche Globalkonstellation hier auf der Ebene einer elegischen Liebesgeschichte.
Goldhorns präzise Prosa bringt Innenwelt und Außenwelt seiner Figuren in einen Fluss historischer Kausalitäten. Und weil die Wirklichkeit, von der dieser Roman zu erzählen verspricht, mit dem zweiten Schauplatz der virtuellen Welt eines Cyberspace konkurriert, verlängern „Die Prozesse“ auch diesen Technologie-Traum unserer Gegenwart in die Zukunft. – Die Begründung der Jury

Marius Goldhorn

Marius Goldhorn wurde 1991 in Lahnstein geboren und ist Autor des Romans „Park“ (Suhrkamp Verlag) und des Gedichtbandes „Yin“ (Korbinian Verlag). Seine Erzählungen und Essays wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 erschien sein zweiter Roman „Die Prozesse“ bei Kiepenheuer & Witsch.

Mit seiner Near-Future-Dystopie „Die Prozesse“ ist Marius Goldhorn ein vielgestaltiger Gesellschaftsroman für das 21. Jahrhundert gelungen. In reduzierter, zugleich poetisch verschlüsselter Sprache entwirft Goldhorn eine Welt, in der digitale Realitäten, Klimawandel, politische Kämpfe um Umverteilung und koloniale Wiedergutmachung ineinanderfließen. Vor dieser Kulisse erzählt Goldhorn in lakonischer Introspektive eine queere Liebesbeziehung. So entsteht ein Roman von komplexer Erzählkunst, der persönliche Beziehungen und globale Umbrüche ineinander verschränkt und seine Leser:innen mit großer atmosphärischer Dichte in den Bann zieht.

Jury 2026

Die diesjährige Jury bestand aus den Fachberater:innen Barbara Mundel (Intendantin Münchner Kammerspiele), Maryam Aras (Literaturkritikerin), Dr. Ronald Düker (Literaturkritiker) sowie Mitgliedern des Gremiums Literatur des Kulturkreises.

Über den Literaturpreis der deutschen Wirtschaft

Seit 1953 zeichnet der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft herausragende Talente der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus. Der gattungsübergreifende Literaturpreis der deutschen Wirtschaft ist mit 20.000 Euro dotiert und wird jährlich an Autor:innen bis zu 45 Jahren verliehen, deren Werke durch hohe literarische Qualität überzeugen. Zu den Preisträger:innen, die der Kulturkreis schon frühzeitig gefördert hat, zählen Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann, Paul
Celan, Günter Grass, Nelly Sachs, Marie Luise Kaschnitz, Elias Canetti, Robert Menasse, Daniel Kehlmann, Clemens J. Setz, Nino Haratischwili und Dorothee Elmiger.
Der Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026 wird von der Deutsche Bank Stiftung gefördert.

Weitere Informationen zum Literaturpreisauf der Website des Kulturkreises unter: Literaturpreis der deutschen Wirtschaft

Über den Kulturkreis der deutschen Wirtschaft

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft wurde 1951 gegründet und ist die traditionsreichste Institution für unternehmerische Kulturförderung in Deutschland. Als unabhängiges Netzwerk engagierter Unternehmen setzt er sich für Kunstfreiheit als zentrale Säule der Demokratie ein. Im Zentrum seiner Arbeit steht seit über 70 Jahren die Förderung von Nachwuchstalenten in den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur und Musik. Dank Mitgliedsbeiträgen und Spenden konnte der Kulturkreis bereits zahlreiche Kunstscha?ende zu Beginn ihrer Karriere unterstützen.
Neben den oben genannten literarischen Größen zählen dazu herausragende Persönlichkeiten wie Georg Baselitz, Sabine Meyer, Katharina Sieverding, Tabea Zimmermann, Rosemarie Trockel, Candida Höfer und Thomas Demand.

Über die Deutsche Bank Stiftung

Die Deutsche Bank Stiftung zielt mit ihren Aktivitäten auf die Entwicklung und nachhaltige Stärkung von Potenzialen insbesondere junger Menschen. Sie initiiert und unterstützt Projekte, die diesen neue Erfahrungsräume erö?nen und sie dazu befähigen, ihre individuellen Begabungen zu entfalten. Ebenso ermutigt sie den künstlerischen Nachwuchs, neue Wege auszuprobieren und professionelle Fähigkeiten weiter auszubauen. Sie trägt mit zahlreichen Projekten zur Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte bei und stärkt die Chancengerechtigkeit für benachteiligte Gesellschaftsgruppen. Nicht zuletzt fördert die Stiftung das vielfältige kulturelle Leben in Deutschland. Weltweit engagiert sie sich gemeinsam mit starken Partnern in der Katastrophenprävention.

 

Presseaussendung Kulturkreis der deutschen Wirtschaft / Red.