Julia Schoch erhält den Schubart-Literaturpreis 2023

Julia Schoch erhält den mit 20.000 Euro dotierten Schubart-Literaturpreis 2023 der Stadt Aalen für ihren 2022 bei dtv erschienenen Roman „Das Vorkommnis“.

Aus der Jurybegründung: „Die Jury überzeugte vor allem ihre sprachlich konzentrierte und kluge Selbstbefragung über Erinnerungen und die Konstruktion eines Lebens, die von einem unerschrockenen und offenen Blick auf vermeintliche Gewissheiten zeugt – ganz im Sinne des Namensträgers des Preises.“

Die Jury: Verena Auffermann (Berlin), Dr. Michael Kienzle (Stuttgart), Dr. Stefan Kister (Stuttgart), Anne-Dore Krohn (Berlin), Denis Scheck (Köln) und Michael Weiler (Aalen).

Die Preisverleihung findet am 22. April 2023, 18 h, im Kulturbahnhof Aalen statt. Die Laudatio auf Julia Schoch hält Anne-Dore Krohn.

Der Roman ist Auftakt eines dreiteiligen, ambitionierten Erzählprojekts mit dem Gesamttitel „Biographie einer Frau“. Der zweite Teil erscheint am 16. Februar 2023 und trägt den Titel „Das Liebespaar des Jahrhunderts“. Alle drei Teile werden unabhängig voneinander zu lesen sein.
Mehr zu Buch und Autorin (inkl. Gespräch über das Erzählprojekt „Biographie einer Frau“): https://www.dtv.de/specials/julia-schoch

Alle Details zum Schubart-Literaturpreis

 

Presseaussendung dtv / Red.

Karim El-Gawhary erhielt das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich

Mit großem Fachwissen beschreibt Karim El-Gawhary in seinen Analysen und Reportagen die Vorgänge in der arabischen Welt. Von Kairo bis Bagdad – immer stehen die Menschen im Zentrum seiner Berichte. Er lässt sie erzählen, was sie bewegt und analysiert, was ihre Sorgen für die politischen Entwicklungen bedeutet.

In seiner Dankesrede zur Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich in der Österreichischen Botschaft in Kairo sagte er u.a., dass die Verleihung an ihn auch die Anerkennung sei, dass Migrationshintergrund und der Dienst an der Republik Österreich kein unvereinbarer Gegensatz sei. So verstehe er sich in seiner Arbeit als Brückenbauer zwischen den Menschen und den Kulturen:

„Eigentlich ist das Brückenbauen gar nicht so schwer. Man gibt den anderen Namen und Gesichter. Man erzählt ihre Geschichten, oder noch besser, redet mit ihnen und nicht über sie oder am allerbesten: lässt sie selbst ihre eigenen Geschichten erzählen. (…) Was dabei herauskommt ist spannend: Nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten sind verblüffend.“ – Denn schließlich wollen die Menschen überall auf der Welt Sicherheit und Frieden und ein vernünftiges Auskommen haben.

Karim El-Gawhary

Karim El-Gawhary ist seit 1991 Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Zeitungen und seit 2004 Leiter des ORF-Nahostbüros in Kairo. Zuvor war er fünf Jahre als Vertreter des ARD-Rundfunkstudios in Kairo tätig. 2011 erhielt er den „Concordia Presse-Preis“, 2012 wurde er zum Auslandsjournalisten des Jahres gewählt, 2013 zum Journalist des Jahres in Österreich, 2018 erhielt er den Axel-Corti-Preis. Seine bisher erschienenen Bücher waren alle Bestseller.

 

Barbara Brunner / Red.

Bremer Literaturpreis 2023 verliehen

Der Wiener Autor Thomas Stangl wurde im Bremer Rathaus mit dem mit 25.000 Euro dotiertem Bremer Literaturpreis 2023 der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung für seinen Roman Quecksilberlicht aus dem Matthes & Seitz Verlag ausgezeichnet.

Auszug aus der Jurybegründung: „Stangl stellt die eigene Familiengeschichte vor den Horizont der Gewaltgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts und spiegelt das eigene Erzählen im Leben der Brontë-Schwestern und ihres Bruders. Mit nicht nachlassender Sprach- und Imaginationskraft stellt er die Frage nach der Macht der Sprache und der Sprache der Macht.“

Den Förderpreis und 6000 Euro erhielt Martin Kordic wird für seinen Roman Jahre mit Martha (S. Fischer).

 

Red.

Literatur-Stipendiat*innen der Stadt Wien für 2023 stehen fest

Seit 40 Jahren stiftet die Kulturabteilung der Stadt Wien zu Ehren des Nobelpreisträgers für Literatur, Elias Canetti, ein Stipendium für Wiener Autor*innen. Es wird zur Förderung größerer literarischer Arbeiten für die Dauer von jeweils einem Jahr vergeben und kann auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Autor*innen, die bereits ein repräsentatives Werkverzeichnis vorweisen können, bekommen so die Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum hinweg intensiv auf ihre schriftstellerische Arbeit zu konzentrieren. Die Stipendien werden monatlich ausbezahlt und sind mit einer Gesamtsumme von jeweils 18.000 Euro dotiert.

Paul Ferstl, Eva Geber und Tanja Paar erhalten das Elias-Canetti-Stipendium 2023 zum ersten Mal, Richard Schuberths Stipendium wird um ein Jahr verlängert. In der Jurybegründung heißt es dazu:

„Paul Ferstls Romanprojekt „Rostrot“ setzt sich in packender Weise mit den politischen, sozialen und gesellschaftlichen Krisen und Gegensätzen der Jahre zwischen 1934 und 1938 an der steirischen Eisenstraße, in Leoben und Eisenerz, auseinander. Es ist ein zeitgeschichtlicher Roman von außerordentlicher Qualität zu erwarten.

Auf den überschaubaren Raum der Stadtgemeinde von Hainburg bezogen, dehnt sich das Vorhaben von Eva Geber zugleich thematisch und zeitlich weit aus. Von der sogenannten „Keltenzeit“ bis in die Gegenwart soll die geplante literarische Erkundung reichen, die das trügerische Kontinuum von Stadtgeschichte aufsprengt. Ihren sozialen, feministischen und antifaschistischen Ansatz wird die Autorin hier im dokumentarisch fundierten Erzählen zu entfalten suchen. Zu erwarten ist eine von Mitgefühl und kritischer Distanz bestimmte literarische Chronik.

Tanja Paars Romanprojekt „Der Scheitel seiner Frau“ widmet sich der im Semmeringgebiet in der Zeit zwischen den 1920er und den 1940er Jahren zusammentreffenden gemischten Gesellschaft. Es handelt sich um betuchte Sommerfrischler, aber auch um einheimische „kleine“ Leute – Beamte, Kaufleute, Arbeiter*innen. Der Roman verspricht fundierte zeitgeschichtliche Einblicke, unter anderem in die Geschicke der jüdischen Bevölkerung. Die eingereichte Textprobe besticht durch ihre raffinierte Erzählweise.“

„Es ist mir ein großes Anliegen, die Arbeitsbedingungen von Künstler*innen stetig zu verbessern. Dies ist mit der dauerhaften Verankerung der Arbeitsstipendien ins Fördersystem der Kulturabteilung gelungen. Denn hier wird der gesamte Schaffensprozess, das Recherchieren ebenso wie das Schreiben von literarischen und dramatischen Texten unterstützt – denn künstlerisches Schaffen ist Arbeit und wird von der Stadt Wien auch als solche anerkannt“, unterstreicht Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. „Auch den Elias-Canetti-Stipendiat*innen gratuliere ich und hoffe, dass die nachhaltige Unterstützung dazu beiträgt, ihre vielversprechenden Buchprojekte bestmöglich zu verwirklichen.“

Wiener Arbeitsstipendien für Dramatik und Literatur

Auch die Empfänger*innen der Arbeitsstipendien für Dramatik und Literatur stehen fest. 24 Autor*innen konnten die jeweiligen Fachjurys mit ihren eingereichten Textproben überzeugen. Sie erhalten für das Jahr 2023 eine monatliche Unterstützung von 1.500 Euro.

Das Arbeitsstipendium Dramatik wird an Autor*innen verliehen, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg der Fertigstellung eines größeren dramatischen Projektes (Bühnenstück, Film- oder Fernsehdrehbuch, Opernlibretto, Hörspiel etc.) widmen wollen. Früher als Wiener Dramatik Stipendium bekannt, stand es jährlich nur drei Stipendiat*innen zur Verfügung. Im Jahr 2021 baute die Kulturabteilung der Stadt Wien ihr Förderprogramm erheblich aus und unterstützt nun jährlich 12 Wiener Dramatiker*innen in Form eines Arbeitsstipendiums. Dies gilt auch für das Arbeitsstipendium Literatur, das Wiener Autor*innen bei der Umsetzung eines größeren schriftstellerischen Projekts finanziell unterstützen soll. Auch hier werden seit 2021 jährlich 12 Wiener Autor*innen in ihrem literarischen Schaffen gefördert.

„Die Erweiterung des Förderprogramms in Form von Arbeitsstipendien ist eines unserer Erfolgsprojekte. 24 Wiener Dramatiker*innen und Literat*innen, ob angehend oder bereits etabliert, erhalten dadurch die Möglichkeit, ein Jahr lang finanziell unabhängig an ihren vielversprechenden Texten zu arbeiten. Die Stipendien sind eine nachhaltige Stärkung der Wiener Literaturszene, von der zu guter Letzt auch wir als Leser*innen profitieren werden“, so Anita Zemlyak, Leiterin der Kulturabteilung.

Alle Stipendiat*innen wurden von unabhängigen Fachjurys empfohlen.

Weitere Informationen

 

Presseaussendung Stadt Wien

Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2022 an Robert Menasse

Bruno Kreisky betonte stets, durch das Lesen von Büchern „geformt worden zu sein“. Dieser Inspiration folgend wird seit 1993 der Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch verliehen. Jährlich wird damit vom Karl-Renner-Institut in Zusammenarbeit mit dem SPÖ-Parlamentsklub und der sozialdemokratischen Bildungsorganisation politische Literatur ausgezeichnet, die für Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz einsteht. Den Hauptpreis für das Politische Buch des Jahres 2022 erhält Robert Menasse für „Die Erweiterung“ (Suhrkamp, 2022). Der Preis für das publizistische Gesamtwerk wird heuer an Salman Rushdie vergeben. Die Preisverleihungen finden im ersten Halbjahr 2023 in Wien statt.

Zum Hauptpreis: Wenn es einem Chronisten der EU-Geschichte, zu dem Robert Menasse jedenfalls geworden ist, gelingt, einen intellektuell anspruchsvollen Unterhaltungsroman vorzulegen, so ist dies bei dem oft als technokratisch, langweilig und spröde denunzierten Außenbild der Europäischen Union eine großartige erzählerische Leistung. In „Die Erweiterung“ verbinden sich detailreiche Sachkenntnis, eine gehörige Portion Ironie und ein starkes europäisches Herz zu einem Roman, der als historisches Lehrbuch, Tragödie, Satire und Liebesgeschichte gelesen werden kann. Diese Vielfalt der erzählten Geschichte, die sich um den Beitrittswunsch Albaniens entspinnt, führt so ins schillernde Innenleben der EU. Zwei „Blutsbrüder“, verbunden durch einen Schwur im Untergrundkampf gegen das polnische kommunistische Regime, machen nach der Wende politische Karrieren. Der eine wird Regierungschef Polens, der andere ein hoher Beamter der Europäischen Kommission, zuständig für die Erweiterungs-Politik. Unzählige menschliche Schicksale werden episch aufgespannt und verbinden sich dann doch in einem großen Showdown. Trotz vieler Ambivalenzen, Untiefen und Niederungen dieser europäischen Figuren und deren „Politik“ ruft Menasse mit seinem zweiten Europa-Roman dazu auf, dass wir uns angesichts wachsender Nationalismen viel öfter an dem großartigen Projekt vereinigtes Europa erfreuen und intensiver um es kämpfen sollten.

Der Preis für das publizistische Gesamtwerk wird heuer an Salman Rushdie vergeben. Sein Name und sein Werk sind Symbol für die universelle Kraft der Freiheit des Wortes und für den Preis, den man dafür bezahlen kann. Rushdie ist ein Meistererzähler, der mit seiner literarischen Kraft, die Magisches und Reales verbindet, alle Schleier von Lüge, Propaganda und Torheit provokant durchdringt und uns vor Augen führt, wie trügerisch, provisorisch und hinfällig die menschliche reale Welt doch ist. Das hat seit der Veröffentlichung der „Satanischen Verse“ sein Leben geprägt. Im Jahr 1989 belegte ihn eine Fatwa mit dem Todesurteil. 33 Jahre später wurde er „lebensverändernd“ durch ein Attentat eines religiösen Fanatikers schwer verletzt.

Sein Kampf und sein Schicksal im globalen Konflikt um das Recht, schreiben zu dürfen, wonach dem freien Geist der Sinn steht, geht uns alle an. Rushdies Werk hat die Weltliteratur geprägt. Es wurde mit zahlreichen internationalen Preisen bedacht und in über 40 Sprachen übersetzt.

 

Presseaussendung SPÖ

Kremayr & Scheriau erhält für das Jahr 2022 vier Bruno-Kreisky-Preise

Das Neue Jahr beginnt mit einer Reihe von guten Nachrichten:

  • Der Bruno-Kreisky-Preis für besondere verlegerische Leistungen geht an den Verlag Kremayr & Scheriau,
  • den Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ erhält Alexia Weiss für ihr Buch „Zerschlagt das Schulsystem und baut es neu“,
  • der Anerkennungspreis geht an Judith Kohlenberger für ihre Schrift „Das Fluchtparadox“ und an Marlene Engelhorn für ihr Buch „Geld“.

Alle drei Bücher sind 2022 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen.

Bruno-Kreisky-Preis für besondere verlegerische Leistungen

Der Verlag Kremayr & Scheriau wurde im Jahr 1951 von Rudolf Kremayr und Wilhelm Scheriau gegründet, 1966 beteiligte sich Bertelsmann am Verlag und 1991 wurde der Orac-Sachbuchverlag übernommen. Zu den großen Erfolgen der Vergangenheit gehören u. a. Hugo Portisch und sein Opus magnum „Österreich I“ und „Österreich II“, die Memoiren von Bruno Kreisky und das „Österreichische Jahrhundert“ von Hellmut Andics. Einen besonderen Schwerpunkt seit Langem, und vor allem auch gegenwärtig, bilden kritische Sachbücher, die den gesellschaftspolitischen Diskurs in Österreich seit jeher bereichern.
Im Jahr 2015 wurde schließlich eines der spannendsten Literaturprogramme mit dem Fokus auf junge österreichische Gegenwartsautor:innen ins Leben gerufen, das dem Spiel mit Sprache freien Lauf lässt und der Literatur Innovationsräume eröffnet.

Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“

Der Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ geht an Alexia Weiss für „Zerschlagt das Schulsystem und baut es neu“.
Die Journalistin und Autorin zeigt, wie groß die Unzufriedenheit mit dem österreichischen Schulsystem bereits ist – bei den Pädagog:innen und bei den Eltern. Der Druck und das Pensum sind groß. Der Schulalltag bewegt sich zwischen Über- und Unterforderung der Kinder und Überlastung der Lehrenden und Eltern. Weiss beschreibt in ihrer Publikation mutige Ansätze, wie in einem inklusiven Schulsystem die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes in den Vordergrund gerückt, Defizite ausgeglichen und Talente gefördert werden können. Ideologische Fragen müssen dabei in den Hintergrund treten und die physische, psychische, soziale sowie ökonomische Situation eines Kindes im Zentrum stehen.

Anerkennungspreis

Der Anerkennungspreis wird heuer zweifach vergeben: An Judith Kohlenberger für ihre Schrift „Das Fluchtparadox“ und an Marlene Engelhorn für ihr Buch „Geld“.

Judith Kohlenberger: Wenige brennende Themen sind so sehr der undifferenzierten Polemik und populistischen Mobilisierung ausgesetzt wie das Thema Flucht. Auf dem Rücken von Menschen, die so viel verloren haben und massiv unter Druck stehen, wird politisches Kleingeld gewechselt, ohne Hilfe und politische Lösungen anbieten zu wollen. Um so wichtiger sind wissenschaftliche Forschung und Expertise, wie Fluchtforscherin Judith Kohlenberger sie für die öffentliche Debatte einbringt. Ihr Buch ist eine detaillierte Analyse unseres Umgangs mit Vertreibung und Vertriebenen und ein Aufzeigen von Wegen einer menschlichen Asyl- und Integrationspolitik. Sie mahnt moralische Verantwortung und das Vertrauen in unsere Institutionen, unseren Rechtsstaat und unsere Zivilgesellschaft ein.

Marlene Engelhorn weiß wovon sie spricht: Sie ist eine Millionenerbin, die mit der Aussage, 90 Prozent ihres Erbes spenden zu wollen, das Licht der Öffentlichkeit suchte. Warum? Mit diesem Schritt wollte sie auf das gesellschaftspolitische Problem der Intransparenz von Reichtum und dem demokratiepolitischen Schaden, den Überreichtum anrichtet, hinweisen. Ihre persönlichen Erfahrungen, ihre gesellschaftspolitischen Thesen und ihre damit verbundenen Forderungen hat sie nun in einem packenden Buch veröffentlicht. Sie stellt drängende Fragen: „Wie viel ist genug?“, „Was ist das gute Leben für alle?“, „Wie wollen wir teilen?“ und „In wessen Händen liegt das Recht zu entscheiden?“. Ihr Text gibt spannende Antworten und entwirft eine Vision einer gerechten demokratischen Gesellschaft.

 

Barbara Brunner / Renner Institut / Red.

Maria Stepanova erhält Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2023

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2023 wird der russisch-jüdischen Autorin Maria Stepanova, die 1972 in Moskau geboren wurde und derzeit im deutschen Exil lebt, für ihren Lyrikband „Mädchen ohne Kleider“ verliehen. Die Gedichtzyklen – so liedhaft wie erzählerisch – führen eindrücklich vor, wie sich in aktuelle Poesie ein waches Geschichtsbewusstsein einschreibt. Der Band ist im Mai 2022 im Verlag Suhrkamp erschienen. Die viel gelobte Übertragung aus dem Russischen stammt von Olga Radetzkaja. Die Jury verweist in ihrer Begründung auch auf den Lyrikband „Der Körper kehrt wieder“ (2020) und den Roman „Nach dem Gedächtnis“ (2020).

In der Begründung der Jury heißt es: „Den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2023 erhält die russische Lyrikerin Maria Stepanova für die Unbedingtheit, mit der sie auf der poetischen Wahrnehmung der Welt besteht. Unablösbar in der Gegenwart und in der russischen Sprache von Alexander Puschkin über Ossip Mandelstam bis Marina Zwetajewa verankert, ist ihr Werk zugleich ein Hallraum der Weltliteratur, in dem Dante, Goethe und Walt Whitman ebenso anwesend sind wie Ezra Pound, Inger Christensen und Anne Carson.“

Weiter schreibt die Jury: „In ihrem Zyklus „Mädchen ohne Kleider“ aus dem gleichnamigen Gedichtband nimmt sie den weiblichen Körper in Schutz gegen das Machtgefälle zwischen Betrachter und Objekt. Spielerisch greift sie in der Gedichtreihe „Kleider ohne uns“ auf den Formenkanon zurück und bettet die Kleidung als Chiffre des Lebens in einen perfekten Sonettkranz ein. Ähnlich wie in ihrem grandiosen Roman „Nach dem Gedächtnis“, der die eigene Familiengeschichte mit dem Rückblick auf den Stalinismus und den Zerfall der Sowjetunion verschränkt, betritt Stepanova im Zyklus „Bist du Luft“ das Reich der Toten. Ihr lyrisches Ich spricht in ein Grab hinein und verschmilzt mit der Kindheitslandschaft. In den Tiefenschichten lagern auch die Schlachtfelder des 20. Jahrhunderts und die Knochen der Gefallenen.“

Und: „Stepanovas Lyrik ist wie ihre Prosa und Essayistik Arbeit am Gedächtnis. Sie folgt den Spuren namenloser Toter, fördert das Unerzählte zutage, schlägt ironische Haken und widersetzt sich jeder Art von Parolen. Auch wenn Maria Stepanova in ihren Gedichten in den Abgrund schaut, bleibt ihre große Hoffnung die Sprache. Sie verhilft dem nicht-imperialen Russland zu einer literarischen Stimme, die es verdient, in ganz Europa gehört zu werden.“

Der Jury des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2023 gehören Dr. Maike Albath (Literaturkritikerin und Autorin), Michael Lemling (Geschäftsführer der Buchhandlung Lehmkuhl), Dr. Lothar Müller (Literaturkritiker und Journalist), Dr. Daniela Strigl (Literaturkritikerin und Essayistin) sowie Gundula Sell (Referentin, Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus) an.

Der Preis wird zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse am Abend des 26. April 2023 im Gewandhaus an Maria Stepanova verliehen. Die Laudatio hält die Schweizer Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Übersetzerin Ilma Rakusa.

Leipziger Buchpreis

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, seit 1994 jährlich vergeben und mit 20.000 Euro dotiert, zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und die Leipziger Messe. Kooperationspartner ist die Bundeszentrale für politische Bildung.

Ausführliche Informationen zum Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, den bisherigen Preisträgern, dem Kuratorium und der Jury sind unter http://www.leipzig.de/buchpreis zu finden.

 

Pressemeldung Leipziger Messe

International Creative Media Award: Gold für „Der große Gatsby“

Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald mit Illustrationen von Robert Nippoldt hat bei dem International Creative Media Award (ICMA) in der Kategorie Books_ PRINT FINISHING den Award in Gold gewonnen. In dieser Kategorie geht es um die Veredelung und Ausstattung des Titels – um das „Gesamtkunstwerk“.

Der ICMA ist ein internationaler Wettbewerb für Corporate-Medien, Bücher, Zeitschriften und Corporate Design. Ausgezeichnet werden herausragende Arbeiten. Gleichzeitig will der Award auf Trends aufmerksam machen und hat als Ziel den Austausch kreativer Ideen auf internationaler Ebene. Und so reichen weltweit Agenturen und Verlage Ideen ein oder werden von einem Jury-Mitglied vorgeschlagen, weil der Titel besonders positiv aufgefallen ist.

Eingereicht wurden in allen Kategorien Titel und Ideen aus Belgien, Luxemburg, Niederlande, Dänemark, Färöer Inseln, Island, Finnland, Großbritannien, Irland, Italien, Slowakei, Rumänien, Spanien, Polen, Ukraine, Griechenland sowie Singapore, Indien, Brasilien, Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland, Kanada USA und Russland.

Der große Gatsby

F. Scott Fitzgerald
Der große Gatsby
Ill. Robert Nippoldt
Übersetzt von Hans-Christian Oeser
Mit einem Nachwort von Susanne Lenz
272 Seiten | Goldschnitt | 11 Extras
€ (D) 30,- | € (A) 30,90 | SFr 41
ISBN 978-3-649-64095-0

 

Presseaussendung Coppenrath

Schwentner-Preis 2022 geht an Lojze Wieser

Anlässlich der Eröffnung der 38. Slowenischen Buchmesse in Ljubljana wurde am 21.11.2022 der Schwentner-Preis an Lojze Wieser verliehen.
Der Klagenfurter Verleger erhält damit als erster Österreicher die höchste Auszeichnung der Branche für sein Lebenswerk und sein Wirken für das Verlagswesen und den Buchhandel in Slowenien.

Jury-Begründung

Lojze Wieser ist es gelungen, mit seinen Ideen und seinem Erfindungsreichtum immer aufs Neue zu überraschen und für die gesamte Buchbranche neue Maßstäbe zu setzen. Mit dem richtigen Gespür für Trends ist er federführend an der Weiterentwicklung eines europäischen Diskurses beteiligt, der seinen Fokus auf das Miteinander von Menschen, ihren Sprachen und ihren Kulturen, legt. (Quelle: Beitrag von kritik.si)

Slowenischer Kulturraum als Vorbild für ein friedliches Europa

Die Verleihung nutzte der Preisträger, um auf die Bedeutung des gemeinsamen slowenischen Kulturraums für ein friedliches Zusammenleben hinzuweisen: „Die aktuellen Ereignisse und insbesondere die Rückkehr des Krieges nach Europa haben abermals den unschätzbaren Wert unseres gemeinsam geschaffenen Kulturraums gezeigt. Damals wie heute trotzt er jeglichem aggressiven Chauvinismus, überwindet nationalistische Tendenzen und kann als Blaupause für die künftige Gestaltung eines Miteinanders in der näheren und weiteren Welt dienen“, so Lojze Wieser.

Renommierte Auszeichnung der slowenischen Verlagsbranche

Der Schwentner-Preis wird seit 1985 jährlich von der Kammer der Verleger und Buchhändler für das Lebenswerk vergeben und ist eine Anerkennung für einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Verlagswesens und des Buchhandels in Slowenien, sowie für die Entwicklung und Förderung der Lesekultur im In- und Ausland. Der Preis wurde nach Lavoslav Schwentner (1856–1952), dem ersten zeitgenössischen slowenischen Verleger, benannt.

 

Presseaussendung Wieser Verlag

Die besten Kochbücher des Jahres 2022

Am 23. November wurden in Hamburg die besten deutschsprachigen Kochbücher des Jahres ausge- zeichnet. Eine Jury aus 35 Kulinarik-Expertinnen und -experten hat die Preisträger aus rund 100 nomi- nierten Büchern bestimmt. Im Rahmen der feierlichen Gala mit über 80 Gästen wurden die Preise im Foodlab Hamburg verliehen.

Die wichtigsten Auszeichnungen in der Übersicht

„Brotpapst“ Lutz Geißler hat zum dritten Mal in Folge die „Brot“-Rubrik für sich entschieden. Sein Werk „Süße Brote“ enthält u.a. Rezepte für Brioche, Butterzopf und Buchteln. Laut der Jury ist das Buch ein Fachbuch, aus dem Einsteiger ebenso wie Profis lernen können, erstklassige Gebäcke herzustellen.

Das beste Kochbuch für deutsche Küche ist nach Meinung der Jury „Natürlich schwäbisch“ von Sternekoch Andreas Widmann (Königsbronn). Seine Rezepte sind mehrheitlich modernisierte Klassiker oder Einblicke in sein Sternerestaurant.

Auch die bekannten britischen Köche Jamie Oliver und Yotam Ottolenghi belegten jeweils einen ersten Platz. Jamie Oliver mit seinem Buch „ONE“ in der Rubrik der einfachen und schnellen Gerichte, Yotam Ottolenghi mit „Test Kitchen – Extra good things“ in der internationalen Küche.

Sternekoch Tohru Nakamura (München) hat mit seinem Kochbuch „Tohrus Japan“ die Rubrik Asien gewonnen (punktgleich mit dem indischen Kochbuch „Ammu“). In seinem Buch verarbeitet er japani- sche Aromen in mehrheitlich asiatisch, europäisch und deutsch inspirierten Gerichten.

Der Preis für das Lebenswerk geht an Prof. Thomas Vilgis. Der Lebensmittelphysiker ist Autor mehrerer Kochbücher, in denen er Wissenschaft und Kulinarik miteinander verbindet. Stevan Paul, Preisträger des Deutschen Kochbuchpreises 2021, würdigte den Preisträger in seiner Laudatio als „Wanderer und Mittler zwischen den untrennbaren Disziplinen Kulinarik und Wissenschaft.“

Der Preis für das beste Newcomer-Kochbuch geht 2022 an Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall. Ihr besonders ästhetisches Erstlingswerk „Splendido“ ist für die Herausgeber des Preises „eine Ode an die einfache, schlichte italienische Küche.“

Das teuerste ausgezeichnete Kochbuch ist zugleich auch das umfangreichste: „Modernist Pizza“ des ehemaligen Microsoft-Managers Nathan Myhrvold. In drei Bänden mit über 1.700 Seiten vermittelt der Autor alles über die Pizza-Kultur, inklusive Warenkunden und Rezepten. Preis: 375 Euro.

Über den Deutschen Kochbuchpreis

Der Deutsche Kochbuchpreis wird von Kaisergranat.com ausgerichtet. Das Kochbuch-Portal ist Deutschlands größtes journalistisches Angebot für Kochbuch-Rezensionen.

Alle Preisträger, die schriftlichen Jury-Urteile und weitere Hintergründe gibt es auf www.deutscher-kochbuchpreis.de nachzulesen.

 

Pressemitteilung Deutscher Kochbuchpreis

Verena Roßbacher erhält den Österreichischen Buchpreis 2022

Verena Roßbacher wurde gestern für ihr Buch „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch) mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Der Debütpreis ging an Lena-Marie Biertimpel für den Titel „Luftpolster“ (Leykam Verlag). Die Verleihung fand zum Auftakt der Buch Wien-Woche vor rund 170 geladenen Gästen im Wiener Kasino am Schwarzenbergplatz statt. Durch den Abend führten Dorothee Hartinger und Philipp Hauß.

Österreichischer Buchpreis 2022: Verena Roßbacher – „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch)

Begründung der Jury:

„Charly Benz: Anfang vierzig, Langzeitsingle, ernährt sich von Fertiggerichten, raucht Kette, hört in ihrer Freizeit Bibi Blocksberg Hörspiele und öffnet aus Angst vor schlechten Nachrichten ihre Post nicht. „Ja, das war das Problem, ich musste immer alles alleine machen, Essen kochen und Musik machen, mich vor meiner Post fürchten, einfach alles. Ich seufzte. So wie es aussah, würde ich auch meine Kinder in Eigenregie zeugen müssen, sollte ich je welche haben wollen. Ich musste mir eingestehen: Die Zeit arbeitete gegen mich.“ Das also ist die Romanheldin! Eine desolat-komische Frauenfigur und damit literaturgeschichtlich eine Rarität. Denn komische Frauen haben es schwer bei der Leserschaft. Verena Roßbacher ist es gelungen, mit ihrer Charly Benz nicht nur eine Figur zu schaffen, die man nie mehr vergisst. Sie gesteht ihr auch eine geradezu unglaubliche Persönlichkeitsentwicklung zu. Aus der schrulligen Außenseiterin mit einem Faible für Werbeclips aus den neunziger Jahren (Mon Chéri!) wird im Verlauf dieses rasant lustigen Romans eine Vorreiterin alternativer Lebens- und Liebesmodelle. Nicht nur gibt es auf einmal drei potenzielle Väter für ein Baby. Auch wird ein schwerkranker Mann angstfrei in den Tod begleitet. „Mon Chéri und unsere demolierte Seelen“ erzählt eine Geschichte vom Loslassen. Zwischendrin gibt es Slapstick vom Feinsten. Lustige Frauen, das lernen wir mit Verena Roßbacher, sind einfach unwiderstehlich!“

Für die Shortlist nominiert waren außerdem: Helena Adler – Fretten (Jung und Jung Verlag), Reinhard Kaiser-Mühlecker – Wilderer (S. Fischer Verlag), Anna Kim – Geschichte eines Kindes (Suhrkamp Verlag) und Robert Menasse – Die Erweiterung (Suhrkamp Verlag).
Der Österreichische Buchpreis ist mit 20.000 Euro dotiert, die vier weiteren Titel der Shortlist mit jeweils 2.500 Euro.

Österreichischer Buchpreis 2022 – Debüt: Lena-Marie Biertimpel „Luftpolster“ (Leykam Verlag)

Begründung der Jury:

„Vom Suizidversuch der Schwester aus der Bahn geworfen, begibt sich „Peach“, die Ich-Erzählerin, freiwillig in der Psychiatrie. „ich funktioniere nur in gedanken. die gedanken sind wie wellen und ziehen mich in die tiefe, bis ich keine luft mehr bekomme“. Der streng getaktete Klinikalltag gibt ihr Halt: Morgenspaziergang, Medikamentenausgabe, Therapien aber auch die gemeinsamen Zigaretten im Raucherraum mit einer Mitpatientin. Die Geschichte pendelt zwischen dem Jetzt und „vor monaten“ und „vor jahren“. In diesen Rückblenden erfahren wir von Peaches schwieriger Beziehung zu ihren Eltern, von denen sie mittlerweile weit entfernt wohnt Und wir lernen ihren Freund Johnny kennen: „vielleicht waren messer unsere worte und küsse fäden, mit denen wir gegenseitig unsere wunden nähten“. Absolute Kleinschreibung – bis auf die Namen –, keine Anführungszeichen bei direkter Rede und Kürzestkapitel formen die Geschichte, die so ihren ganz eigenen, poetischen Sound entwickelt. Und wir sehen auch, dass Gender* in einen modernen literarischen Text passen. Ein eindringliches Debüt, wuchtig und zärtlich zugleich.“

Für die Shortlist-Debüt nominiert waren außerdem: Sirka Elspaß – ich föhne mir meine wimpern (Suhrkamp Verlag) und Anna Maria Stadler – Maremma (Jung und Jung Verlag).
Der Debütpreis im Rahmen des Österreichischen Buchpreises ist mit 10.000 Euro dotiert, die zwei weiteren Titel der Shortlist mit jeweils 2.500 Euro. Der Debütpreis wird von der Arbeiterkammer Wien gestiftet.

Die Jury

Die Jury für den Österreichischen Buchpreis setzt sich 2022 aus Bernhard Bastien (Buchhändler, Buchhandlung Lerchenfeld), Edith-Ulla Gasser (Redakteurin, Ö1), Stefan Gmünder (Literaturkritiker, Der Standard und Volltext), Katharina Teutsch (Literaturkritikerin, FAZ) und Günther Stocker (Literaturwissenschaftler, Universität Wien) zusammen.

Statements der Träger des Preises

Andrea Mayer, Staatssekretärin für Kunst und Kultur: „110 Titel aus 58 Verlage waren heuer für den Österreichischen Buchpreis, 23 Debüts aus 18 Verlage für den Buchpreis Debüt eingereicht. Die fünfköpfige Jury hatte also viel zu lesen, zu diskutieren, zu vergleichen und abzuwägen, bis sie schließlich zur Long- und dann zur Shortlist kam. Nun stehen auch die beiden Preisbücher fest: Verena Roßbacher erhält den Österreichischen Buchpreis für „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“, und der Buchpreis fürs beste Debüt geht an Lena-Marie Biertimpel für „Luftpolster“. Aber es gibt noch einen dritten Gewinner: die österreichische Gegenwartsliteratur, die mit diesem Wettbewerb in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Medien und des Lesepublikums gestellt wurde und gezeigt hat, was Romane, Erzählungen und Gedichte in schwierigen Zeiten zu leisten imstande sind. Ich gratuliere den beiden Preisträgerinnen und freue mich für alle nominierten Autorinnen und Autoren. Ein großer Dank gilt den Mitgliedern der Jury für diese gelungene Auswahl an bemerkenswerten Büchern. Und wenn Sie noch nicht wissen, was Sie über die Weihnachtsfeiertage lesen sollen: Die zum Buchpreis nominierten Bücher sind eine sichere Empfehlung und eine lohnende Lektüre.“

Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels: „Im siebenten Jahr seines Bestehens ist der Österreichische Buchpreis nicht mehr aus dem literarischen Kalender Österreichs wegzudenken. Jedes Jahr stellt dieser Preis die herausragenden Leistungen der Autorinnen und Autoren und der Verlage in den Mittelpunkt, und verschafft der zeitgenössischen Literatur die größtmögliche und verdiente Aufmerksamkeit. Ich gratuliere den diesjährigen Preisträgerinnen Verena Roßbacher und Lena-Marie Biertimpel, sowie allen Nominierten, sehr herzlich.“

„Ich freue mich sehr, den Debütpreis im Rahmen des Österreichischen Buchpreises an Lena-Marie Biertimpel übergeben zu können“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. „Lesen bereichert unser Leben ungemein. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung in praktisch allen Lebensbereichen ist der Griff zu einem Buch eine willkommene Pause davon. Angehende Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben einen wesentlichen Anteil daran, dass die Welt der Bücher, das Reich der Fantasie immer fortbesteht. Die Arbeiterkammer Wien unterstützt sie daher gerne mit dem Debütpreis, so wie wir auch andere kulturelle Aktivitäten fördern.“

Über den Österreichischen Buchpreis

Ziel des Österreichischen Buchpreises ist es, die Qualität und Eigenständigkeit der österreichischen Literatur zu würdigen und ihr im gesamten deutschsprachigen Raum die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Der Österreichische Buchpreis wird vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS), dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und der Arbeiterkammer Wien 2022 bereits zum siebenten Mal ausgerichtet.

Die Gewinner:innen der Vorjahre:

Buchpreis: Raphaela Edelbauer (2021), Xaver Bayer (2020), Norbert Gstrein (2019), Daniel Wisser (2018), Eva Menasse (2017), Friederike Mayröcker (2016).
Debütpreis: Anna Albinus (2021), Leander Fischer (2020), Angela Lehner (2019), Marie Gamillscheg (2018), Nava Ebrahimi (2017), Friederike Gösweiner (2016)

 

Presseaussendung Hauptverband des Österreichischen Buchhandels 

Verleihung des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels an Miljenko Jergovic

Am 20. November wurde der Autor Miljenko Jergovic in Krems an der Donau mit dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln geehrt. Die Verleihung erfolgte als abschließender Höhepunkt der Europäischen Literaturtage 2022 in Krems/Stein. Benedikt Föger, der Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, überreichte die höchste Auszeichnung, die der österreichische Buchhandel zu vergeben hat.
Der Ehrenpreis wird seit 1990 an Personen vergeben, die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement für Toleranz gegenüber den anderssprachigen und kulturell anders geprägten Nachbarn in herausragender Art und Weise eingesetzt haben und somit einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels ausgerichtet. Miljenko Jergovic erhielt die ehrenvolle Auszeichnung für sein Engagement für eine offene, tolerante Gesellschaft und seinen konsequenten Einsatz für die Menschenrechte und den Frieden. Zuletzt wurde 2021 Navid Kermani mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

„Frieden und Toleranz sind die gesellschaftlichen Eckpfeiler auf denen jeder intellektuelle Diskurs, auf denen jede Schaffung und Auseinandersetzung mit Kunst fußt. Es ist das erste Anliegen jeder Verlegerin und jedes Verlegers aufzuklären, zu informieren, zu vermitteln, auch und gerade um die Fundamente unserer Arbeit und Rezeption, den Frieden und die Toleranz zu stärken. Die Toleranz einer Gesellschaft zeigt sich in ihrer Kultur. Kultur ist kein Luxus, sondern sie begründet die Identität einer Gesellschaft, begründet deren Selbstverständnis und bildet die Grundlage für den Umgang mit anderen Gesellschaften.“, so Benedikt Föger bei der Übergabe des Preises an Jergovic.

Laudator Michael Martens (Journalist, Südosteuropa Korrespondent der FAZ) über das Werk des Autors: „In den Texten von Miljenko Jergovic geht es immer wieder um Identitäten, und diese Identitäten wandeln und überlappen sich, setzen sich aus kaum überschaubar vielen Einzelheiten zusammen, sind nicht statisch und können ortsabhängig sein. (…) Diese Vielschichtigkeit fängt Miljenko Jergovic in seiner mäandernden Prosa immer wieder brillant ein. Dabei interessiert ihn niemals nur, wie seine Charaktere sind, sondern immer auch, wie sie wurden, was sie sind. (…) Jergovics Fähigkeit, den Zauber des Alltags in lakonischen Miniaturen zu fassen, macht den zeit- und ortlosen Reiz seiner Prosa aus. Seine Sprache fließt.“

Miljenko Jergovic äußerte sich zum Erhalt der Auszeichnung: „Heute steht der Begriff der Toleranz sehr stark mit der Literatur in Verbindung. Die Toleranz ist schließlich ein Akt der Imagination. Unsere Fähigkeit zur Toleranz wird beschränkt durch unsere Fähigkeit zur Imagination, durch unsere Fähigkeit uns vorzustellen, wie es dem Gegenüber geht. Ich habe diese Auszeichnung als Preis für Toleranz erhalten, sehe ihn aber als einen Preis für Imagination und ich hoffe, dass ich mir diesen Preis für Toleranz und Imagination auch in Zukunft noch weiter verdienen werde.“

Katja Gasser (Journalistin und Literaturkritikerin) moderierte das Gespräch.

Über Miljenko Jergovic

Miljenko Jergovic, geboren 1966 in Sarajevo, lebt seit 1993 in Zagreb. Er arbeitet als Schriftsteller und politischer Kolumnist und ist einer der großen europäischen Gegenwartsautoren. Studium der Philosophie und Soziologie, Mitbegründer der ›Group 99‹. Er arbeitet für die Wochenzeitung »Nedeljna Dalmacija«, für die er auch aus dem belagerten Sarajevo berichtete. 1990 erhielt er den Veselko-Tenzera-Preis als bester politischer Kolumnist auf dem Gebiet Ex-Jugoslawiens, 1995 wurde er mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis – Sonderpreis (Osnabrück) ausgezeichnet. Seine Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden, zuletzt (gemeinsam mit seiner deutschen Übersetzerin Brigitte Döbert) mit dem Georg-Dehio-Buchpreis 2018. Zuletzt auf Deutsch erschienen: Der rote Jaguar (Schöffling).

 

Presseaussendung Hauptverband des Österreichischen Buchhandels

Kim de l‘Horizon gewinnt den Schweizer Buchpreis 2022

Der diesjährige Schweizer Buchpreis geht an Kim de l‘Horizon für den Roman «Blutbuch» (Dumont Verlag 2022).

In der Begründung der Jury heisst es: «Kim de l’Horizon hat in ‹Blutbuch› eine non-binäre Erzählfigur geschaffen, die sich in die eigene Kindheit begibt und ihrer Familiengeschichte nachgeht. Was geschieht, wenn gesellschaftliche Normen gebrochen werden? Wenn über Gewalt nicht gesprochen wird? Kim de l’Horizon verwandelt Erfahrung in Literatur – eigene Erfahrung und die Erfahrung von Mutter, Grossmutter und der Frauen davor. Auf dieser Suche probiert Kim de l’Horizon verschiedene Sprachen, Stimmen und Register aus. ‹Blutbuch› gibt keine Antworten, sondern stellt die Fragen immer wieder neu. Mit diesem Roman hat Kim de l’Horizon erzählerisches Neuland betreten. Dafür verleiht die Jury Kim de l’Horizon den Schweizer Buchpreis 2022.»

Das Preisgeld für Kim de l‘Horizon beträgt 30‘000 Franken, für die weiteren Nominierten je 3‘000 Franken. Die öffentliche Preisverleihung fand vor vollen Rängen im Theater Basel statt. Eingereicht waren 88 Titel aus 58 Verlagen.

Die weiteren Nominierten waren:

  • Simon Froehling: «Dürrst» (Bilgerverlag)
  • Lioba Happel: «Pommfritz aus der Hölle» (Pudelundpinscher Verlag) Thomas Hürlimann: «Der Rote Diamant» (S. Fischer Verlag)
  • Thomas Röthlisberger: «Steine zählen» (Edition Bücherlese)

Schweizer Buchpreis

Teilnahmeberechtigt für den Schweizer Buchpreis 2022 waren deutschsprachige literarische und essayistische Werke von in der Schweiz lebenden oder Schweizer Autor:innen, die zwischen Oktober 2021 und September 2022 erschienen sind.
Der Schweizer Buchpreis wurde 2008 vom Verein LiteraturBasel und dem Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband (SBVV) initiiert. Ziel ist es, die öffentliche Diskussion über Bücher von deutschsprachigen Schweizer Autor:innen zu animieren und mit der aktiven Werbung im Buchhandel sowie mit einer Lesetour durch die Schweiz und Nachbarländer dazu beizutragen, dass diese stärker wahrgenommen, gelesen und gekauft werden. Inzwischen hat sich der Schweizer Buchpreis als eine der bedeutendsten literarischen Auszeichnungen der Deutschschweiz etabliert und geniesst über die Landesgrenzen hinaus Beachtung. Der Schweizer Buchpreis wurde dieses Jahr zum fünfzehnten Mal vergeben.

Die Mitglieder der Jury des Schweizer Buchpreises 2022 sind:

  • Tanja Bhend (Buchhändlerin, Buchhandlung Buch am Platz, Winterthur, NEU)
  • Sieglinde Geisel (freie Kritikerin und Schreibcoach; Jurysprecherin)
  • Annette König (SRF Literaturredaktion und Buchbloggerin)
  • Martina Läubli (Kulturjournalistin «NZZ am Sonntag», Leiterin von «Bücher am Sonntag» NEU)
  • Yeboaa Ofosu (Kulturwissenschaftlerin und Literaturexpertin, NEU)

Die Sponsoren und Partner

Der Schweizer Buchpreis wird unterstützt von der Buchhandlung Orell Füssli, der Emil & Rosa Richterich-Beck Stiftung, der Forlen Stiftung, dem Schweizer Bücherbon sowie rund 30 Partnerbuchhandlungen. Die Lesetour der Nominierten wird unterstützt von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

 

Medienmitteilung Schweizer Buchpreis

Start der Publikumswahl für „Das beste Wissenschaftsbuch des Jahres“

Ab sofort kann wieder das jeweils beste Wissenschaftsbuch des Jahres in vier Kategorien mitbestimmt werden. Eine Fachjury hat die Nominierungen vorgenommen und über die Siegerbücher kann ab heute das Publikum abstimmen.

Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungsminister Martin Polaschek: „Das wissenschaftliche Sachbuch ist eine verlässliche Informationsquelle und trägt damit wesentlich zur Wissenschaftskommunikation in Österreich bei. Durch Wissenschaftsbücher werden wissenschaftliche Erkenntnisse auf anschauliche Weise für die Leserinnen und Leser zugänglich gemacht. Die Autorinnen und Autoren der wissenschaftlichen Sachbücher geben einen spannenden Einblick in die jeweiligen Fachbereiche und helfen damit das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken.“

Die Wahl läuft bis 9. Jänner 2023.

In vier Kategorien stehen diesmal folgende Bücher zur Wahl:

Geistes- / Sozial- / Kulturwissenschaften:

  • Günter Bischof / Peter Ruggenthaler: Österreich und der Kalte Krieg. Ein Balanceakt zwischen Ost und West (Leykam Buchverlag)
  • Rebecca Clifford: Ich gehörte nirgendwohin. Kinderleben nach dem Holocaust (Suhrkamp)
  • Judith Kohlenberger: Das Fluchtparadox (Kremayr & Scheriau)
  • Clare Mac Cumhaill / Rachael Wiseman: The Quartet. Wie vier Frauen die Philosophie zurück ins Leben brachten (Verlag C.H.Beck)
  • Olivette Otele: Afrikanische Europäer. Eine unerzählte Geschichte (Wagenbach)

Medizin / Biologie:

  • Fritz Breithaupt: Das narrative Gehirn. Was unsere Neuronen erzählen (Suhrkamp)
  • Nicklas Brendborg: Quallen altern rückwärts. Was wir von der Natur über ein langes Leben lernen können (Eichborn)
  • Ludwig Huber: Das rationale Tier. Eine kognitionsbiologische Spurensuche (Suhrkamp)
  • Hannes Leidinger / Christian Rapp / Birgit Mosser-Schuöcker: Freud Adler Frankl (Residenz)
  • Richard O. Prum: Die Evolution der Schönheit. Darwins vergessene Theorie zur Partnerwahl (Matthes & Seitz)

Naturwissenschaft / Technik:

  • Thomas Bugnyar: Raben. Das Geheimnis ihrer erstaunlichen Intelligenz und sozialen Fähigkeiten (Brandstätter Verlag)
  • Dave Goulson: Stumme Erde. Warum wir die Insekten retten müssen (Hanser Verlag)
  • Thor Hanson: Von schrumpfenden Tintenfischen und windfesten Eidechsen. Faszinierende Antworten der Natur auf die Klimakrise (Kösel)
  • Michael Pollan: Kaffee Mohn Kaktus. Eine Kulturgeschichte psychoaktiver Pflanzen (Kunstmann Verlag)
  • Daniel Strassberg: Spektakuläre Maschinen. Eine Affektgeschichte der Technik (Matthes & Seitz)

Junior-Wissensbücher:

  • Olga Fadejewa: Wind. Wo kommt er her? Wo weht er hin? (Magellan Verlag, ab 5 Jahren)
  • Elisbath Etz / Nini Spagl: Ein Baum kommt selten allein (Leykam Buchverlag, ab 6 Jahren)
  • Jess French / Claire McElfatrick: Die verborgene Welt der Ozeane (DK Verlag, ab 7 Jahren)
  • Melanie Laibl / Lukas Vogl: Schau wie schlau. Bionik: wenn Natur die Technik beflügelt (Tyrolia, ab 9 Jahren)
  • Piotr Socha / Monika Utnik-Strugala: Das Buch vom Dreck. Eine nicht so feine Geschichte von Schmutz, Krankheit und Hygiene (Gerstenberg, ab 10 Jahren)

Nähere Informationen unter www.wissenschaftsbuch.at. Ab 15.11.2022 ist im Buchhandel und in vielen Büchereien das Sonderheft zur Wahl erhältlich. Zusätzlich präsentieren zehn Büchereien in ganz Österreich in besonderen Ausstellungen alle 20 Bücher der Shortlist.

Die Teilnahme zur Wahl ist per Stimmzettel an über 300 Auslagestellen sowie online auf www.wissenschaftsbuch.at möglich.

Das beste Wissenschaftsbuch des Jahres“ ist eine Aktion des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung gemeinsam mit der Buchkultur Verlags GmbH und der österreichischen Buchbranche.

 

Presseaussendung BM für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Franziska Davies und Katja Makhotina mit Bayerischem Buchpreis 2022 ausgezeichnet

Preissegen bei der Verleihung des Bayerischen Buchpreises in München: Der Bayerische Buchpreis 2022 geht in der Kategorie Belletristik an Reinhard Kaiser-Mühlecker für seinen Roman „Wilderer“ und in der Kategorie Sachbuch an Franziska Davies und Katja Makhotina für das Buch „Offene Wunden Osteuropas“. Ministerpräsident Dr. Markus Söder zeichnet zudem Christopher Clark mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten aus. Der Bayern 2-Publikumspreis wird an das Buch „Hast du uns endlich gefunden“ von Edgar Selge vergeben.

Die Jury des Bayerischen Buchpreises diskutierte live und vor geladenem Publikum in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz über drei Romane und drei Sachbücher, die für die Auszeichnung nominiert waren. Die Jury, bestehend aus Rainer Moritz (Leiter des Literaturhauses Hamburg), Knut Cordsen (Kulturredakteur des Bayerischen Rundfunks) und Sonja Zekri (Redakteurin der Süddeutschen Zeitung), entschied auf der Bühne, den Roman „Wilderer“ von Reinhard Kaiser-Mühlecker (S. Fischer) und das Buch „Offene Wunden Osteuropas“ von Franziska Davies und Katja Makhotina (wbg THEISS) als beste Bücher des Jahres auszuzeichnen.

„Manchmal sind wir Menschen Wilderer in den Herzen anderer. Reinhard Kaiser-Mühlecker schreibt einen poetisch-präzisen Dorfroman über das Leben auf dem Lande und die Liebe. ‚Wilderer‘ ist ein meisterhaftes Psychogramm.
Geschichte ist nie unschuldig, sie wird benutzt und missdeutet. Franziska Davies und Katja Makhotina haben mit ‚Offene Wunden Osteuropas‘ ein unbestechliches und anschauliches Buch geschrieben, das die blinden Flecken unserer Erinnerungskultur ausleuchtet – und vor Täuschungen schützt“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Neben den beiden gekürten Büchern standen „Nordstadt“ von Annika Büsing (Steidl) und „Ist hier das Jenseits, fragt Schwein“ von Noemi Somalvico (Voland & Quist) sowie, in der Kategorie Sachbuch, „Wir gingen raus und spielten Fußball“ von Andreas Bernard (Klett-Cotta) und „Meine Schwester“ von Bettina Flitner (Kiepenheuer & Witsch) in der Endausscheidung.

Die Preisträgerinnen und der Preisträger erhalten jeweils 10.000 Euro sowie eine Preisfigur aus Nymphenburger Porzellan.
An dem Abend wurde zudem der Historiker Sir Christopher Clark mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Ministerpräsident Dr. Markus Söder hielt die Laudatio und überreichte den Preis: „Brillanter Wissensvermittler und Bestseller-Autor: Ehrenpreis des Ministerpräsidenten beim Bayerischen Buchpreis für Historiker Sir Christopher Clark. Seine Bücher zeigen neue Dimensionen und erzählen Geschichte lebendig und unterhaltsam. Er stellt geschichtliche Bezüge her, ordnet ein und bewertet neu. Als großer Fan seiner Bücher ist es mir eine große Freude und Ehre, ihn heute mit dem Ehrenpreis auszuzeichnen. PS: Herzlichen Glückwunsch allen anderen Preisträgern!“

Verliehen wurde auch der Bayern 2-Publikumspreis für das Buch „Hast du uns endlich gefunden“ von Edgar Selge (Rowohlt). Bei diesem Preis kommen die Leserinnen und Leser selbst zu Wort. Sie konnten in den vergangenen Wochen über ihr Lieblingsbuch des Jahres abstimmen. Fünf Bücher, allesamt aktuell Bestseller in den bayerischen Buchhandlungen, standen zur Wahl.

Die gesamte Preisverleihung wurde live im Radio auf Bayern 2 übertragen. Die Sendung steht nun als Podcast zur Verfügung.
Veranstalter des Bayerischen Buchpreises ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern. Gefördert wird er von der Bayerischen Staatskanzlei und unterstützt von Bayern 2 als Medienpartner, von der ZEIT Verlagsgruppe, der Bayerischen Sparkassenstiftung sowie dem Verein zur Leseförderung.

Presseaussendung Bayrischer Buchpreis

Stadt Wien vergibt Buchprämien an sechs Wiener Autorinnen und Autoren

Die diesjährigen Buchprämien der Stadt Wien gehen an die Autor*innen Barbi Markovi?, Iris Blauensteiner, Sabine Schönfellner, Peter Henisch, Walter Schübler und Stanislav Struhar. Die Auswahl der Bücher erfolgte durch eine Fachjury.

Die Buchprämien der Stadt Wien dienen der Förderung der heimischen Literaturszene. Sie werden jährlich vergeben und sind mit je 2.500 Euro dotiert. 2022 gab es insgesamt 41 Einreichungen von Wiener Autor*innen in Wiener Verlagen.

Die folgenden Bücher wurden ausgezeichnet:

Barbi Markovi? für “Die verschissene Zeit” (Residenz Verlag)
Iris Blauensteiner für “Atemhaut” (Kremayr & Scheriau)
Sabine Schönfellner für “Draußen ist weit” (Literaturverlag Droschl)
Peter Henisch für “Der Jahrhundertroman” (Residenz Verlag)
Walter Schübler für “Bibiana Amon. Eine Spurensuche“ (Edition Atelier)
Stanislav Struhar für “Farben der Gegenwart“ (Wieser Verlag)
Begründungen der Jurymitglieder
Barbi Markovi? für “Die verschissene Zeit” (Residenz Verlag)
Barbie Markovi? erzählt in „Die verschissene Zeit“ eine Coming-of-Age-Geschichte in Zeiten der Jugoslawienkriege, als Nachbarn zu Feinden wurden und Bomben fielen. Im Zentrum des Romans stehen Jugendliche aus Banovo brdo, einem Stadtteil von Belgrad und eine Zeitmaschine. Das aberwitzige Abenteuer thematisiert klug und in wütender Sprache den Kampf um Erinnerung ebenso wie die Sehnsucht einer Generation nach einem Zustand, in dem „die Traumata keinen Nährboden mehr bekommen“ (Barbie Markovi?).

Iris Blauensteiner für “Atemhaut” (Kremayr & Scheriau)
Die Schriftstellerin und Filmemacherin Iris Blauensteiner nimmt in ihrem Roman „Atemhaut“die Gegenwart der Arbeitswelt in den Blick und macht den Verlust von Arbeit und Würde zum Thema. Ein Logistikzentrum dient ihr dabei als Modell der Gesellschaft: Beste Ware wird zu Müll. Die Distanz zum Ich, die in einer solchen Welt entsteht, vermittelt die Autorin in einer konsequent durchgehaltenen Erzählperspektive.

Sabine Schönfellner für “Draußen ist weit” (Literaturverlag Droschl)
Es war schon immer das Privileg der Literatur, Schwäche in Stärke, Ungesagtes in Ausgesprochenes und Enge in Weite zu verwandeln. Besonders von Letzterem und dem selten gewordenen Gut des Zuhörens handelt Sabine Schönfellners Debütroman „Draußen ist weit“. Die Ich-Erzählerin, namenlos und nach ihrem Platz im Leben suchend, wird darin als Zuhörerin und Vertraute mit den Geschichten von drei älteren Menschen konfrontiert, die bis in den Zweiten Weltkrieg zurückreichen. In präziser Sprache und die Handlungsstränge kunstvoll verknüpfend gelingt es Sabine Schönfellner das Verschwiegene zum Kern der Erzählung zu machen und darüberhinaus, einen möglichen produktiven Umgang nachfolgender Generationen mit dem Schweigen zu thematisieren.

Peter Henisch für “Der Jahrhundertroman” (Residenz Verlag)
In seinem „Jahrhundertroman“ erweist sich Peter Henisch wieder als ein sich vor E. T. A. Hoffmann verbeugender Romantiker. Wie nebenbei schreibt er eine kleine österreichische Literaturgeschichte, wenn er große Literaten des 20. Jahrhunderts zu seinen Hauptfiguren macht. Er definiert sie nicht über ihr Werk, sondern über ihr Verhalten, das er in zugespitzten Situationen ihre Persönlichkeit entlarven lässt.

Walter Schübler für “Bibiana Amon. Eine Spurensuche“ (Edition Atelier)
Es ist eine langjährige akribische Recherche, die Bibiana Amon (1892–1966), einer aus kleinsten Verhältnissen stammenden Frau, Kontur verleiht. Ab den späten 1910er-Jahren spielte sie in der Wiener Kunst- und Literaturszene eine – bislang unbekannte – Rolle, von der sie in ihrem autofiktionalen Roman „Barrières“ (1939) erzählt. Walter Schübler macht diesen erstmals auf Deutsch zugänglich, seine Gegenüberstellung der aus Korrespondenzen, Schlüsselromanen, Archiven und Nachlässen erhobenen Fakten verdichtet sich zu einem beeindruckenden Dokument weiblicher Selbstermächtigung.

Stanislav Struhar für “Farben der Gegenwart“ (Wieser Verlag)
Reich an Facetten und Schattierungen endet Stanislav Struhars „Farben-Trilogie“: Der Band „Farben der Gegenwart“ beinhaltet neben zwei neuen Erzählungen eine Übersetzung seiner frühsten Prosa, die insbesondere seine feinfühlige Wahrnehmung der Stadt Wien widerspiegelt. Dieser immer noch unterschätzte Autor öffnet in seiner ruhigen Prosa ein emotionales Spektrum zwischen Einsamkeit, (Heimat-)Verlust, Empathie und Mut zu Neuanfängen und zieht damit unweigerlich in seinen Bann.

Presseaussendung Stadt Wien

Deutscher Jugendliteraturpreis: Gelingendes Miteinander

Die Siegertitel des Deutschen Jugendliteraturpreises beschäftigen sich mit den Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens. Sie stehen für demokratische Werte und die Kraft der Erinnerung.

Rund 1.300 Gäste waren in diesem Jahr wieder live dabei, als Bundesministerin Lisa Paus am 21. Oktober 2022 auf der Frankfurter Buchmesse die Gewinner:innen des Deutschen Jugendliteraturpreises verkündete.

„In allen ausgezeichneten Werken geht es um das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft“, erklärte die Vorsitzende der Kritikerjury Prof. Dr. Karin Vach. „Die Preisbücher erzählen kunstvoll, wie Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaften gestaltet werden können und welche Rolle dabei die Erinnerung spielt. Die Geschichten spiegeln den Wert einer demokratischen Gesellschaft und zeigen, dass alle Mitverantwortung für das Gelingen tragen.“

Bilderbuch

Sieger in der Sparte Bilderbuch ist Unsere Grube (Beltz & Gelberg) der schwedischen Autorin und Illustratorin Emma Adbåge. In ihrer ganz eigenen Bildsprache, mit viel Humor und Feingefühl, erzählt sie von der Bedeutsamkeit unbeobachteter Kindheit – und steht dabei eindeutig auf Seiten der Kinder. Unaufgeregt lässt sie diese gemeinsam und erfindungsreich Konflikte lösen und bestärkt sie darin, eigenen Ideen zu vertrauen und ihre Spielräume aktiv zu gestalten. Die Wirkung des ermutigenden Bilderbuchs ist auch der Übersetzung von Friederike Buchinger zu verdanken, die genau den richtigen Ton findet.

Kinderbuch

Als bestes Kinderbuch überzeugte Die Suche nach Paulie Fink (Hanser) der US-amerikanischen Autorin Ali Benjamin. In diesem geht es nicht nur um den legendären Paulie Fink, der nach den Sommerferien spurlos verschwunden ist, sondern vielmehr um die Entwicklung der Ich-Erzählerin Caitlyn und um die Bedeutung jedes Einzelnen in der Schulgemeinschaft. Dabei besticht der Roman durch seine große Erzählkunst mit einer Kombination von Textsorten und dem Spiel von Realität und Fiktion. In ihrer Übersetzung geben Jessika Komina und Sandra Knuffinke wunderbar sowohl die leisesten als auch die wildesten Momente dieser Geschichte wieder.

Jugendbuch

Gewinner beim Jugendbuch ist Kirsten Boies zeitgeschichtlicher Roman Dunkelnacht (Oetinger), der die Gräuel der „Penzberger Mordnacht“ im April 1945 beschreibt. In knappen Sätzen schildert sie mit schmerzhafter Präzision, wie ideologische Verblendung jede Menschlichkeit ausradiert, wie Nachbarn zu Mördern werden. Kirsten Boie ist mit dem fast szenisch verdichteten Text ein grandioses Stück Erinnerungsliteratur gelungen, das unter die Haut geht. Und nebenbei erfindet sich die bekannte Erfolgsautorin völlig neu.

Sachbuch

Bestes Sachbuch ist Der Duft der Kiefern (avant) von Bianca Schaalburg. In ihrer Graphic Novel begibt sich die Autorin auf eine autobiografische Spurensuche und hinterfragt die Rolle ihrer Familie während der NS-Zeit. Dabei ist ihr Werk nicht nur ein Stück persönlicher Aufarbeitung, sondern vielmehr ein Beitrag gegen das Vergessen und eine Aufforderung zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Eindrucksvoll legt das Sachbuch dar, wie grafisches Erzählen die Möglichkeiten der Wissensvermittlung erweitert.

Preisbuch der Jugendjury

Das Preisbuch der Jugendjury ist die Coming-of-Age-Geschichte Hard Land (Diogenes) von Benedict Wells. Aus der Perspektive des 15-jährigen Sam beschreibt dieser Roman, angesiedelt in Missouri im Jahre 1985, die Zeit des Erwachsenwerdens. Es ist ein Sommer voll Abenteuer und Schmerz, der Sam die erste Liebe und die ersten Verluste bringt. Ein Sommer, der mitsamt seinen Schattenseiten eine Liebeserklärung an die Jugend ist.

Sonderpreis Gesamtwerk

Der mit 12.000 Euro dotierte Sonderpreis Gesamtwerk geht an den 1940 geborenen Illustrator Hans Ticha, dessen kinderliterarisches Schaffen seinen Höhepunkt in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR hatte. Seine Bilderwelten bewegen sich klug ausbalanciert zwischen Poesie, Pop-Art und Persiflage. Charakteristisch sind die Verwendung knalliger Farben, reduzierter grafischer Formen sowie das Auftreten phantastischer Figuren mit kugelrunden Körpern. Der Deutsche Jugendliteraturpreis ehrt einen einzigartigen Bilderbuchkünstler, dessen Bücher zwischen Eigensinn und politischer Geste einen erneuten Auftritt in allen Haushalten, Schulen und Kindergärten verdienen.

Sonderpreis „Neue Talente“

Der Auszeichnung für das Lebenswerk steht der Sonderpreis „Neue Talente“ gegenüber. Über diesen kann sich die Illustratorin Mia Oberländer freuen. In ihrem Comic Anna (Edition Moderne) bearbeitet sie mit Verve und Humor das Thema Großsein. Auf farbflächigen Bildtafeln geht sie der Frage nach, was es bedeutet, nicht der Norm zu entsprechen und ausgegrenzt zu werden. Durch die bildnerische Freistellung der Figuren und die Überzeichnung von Mimik wie Körperproportionen werden das Denken, Fühlen und Handeln der Protagonistinnen meisterhaft inszeniert.

Deutscher Jugendliteraturpreises

Stifter des Deutschen Jugendliteraturpreises ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ausrichter der Arbeitskreis für Jugendliteratur. Die Auszeichnung wird seit 1956 für herausragende Kinder- und Jugendbücher vergeben und ist mit insgesamt 72.000 Euro dotiert. Bis auf den Sonderpreis Gesamtwerk sind alle weiteren Auszeichnungen mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden. Zudem erhalten alle Preisträger:innen eine Skulptur, die bronzene Momo.

Für ihre freundliche Unterstützung danken wir der Frankfurter Buchmesse.

 

Pressemeldung Arbeitskreis Jugendliteratur

BücherFrau des Jahres 2022: Zoë Beck

Die Autorin, Übersetzerin, Verlegerin und Aktivistin Zoë Beck wird BücherFrau des Jahres 2022. DasNetzwerk ehrt sie mit dieser Auszeichnung für ihre vielfältigen Aktivitäten und ihr politisches Engagement innerhalb der Buchbranche. Damit trägt sie die Idee der BücherFrauen weit über deren Grenzen hinaus.

Mit der Wahl des Jahresthemas „Die im Dunkeln sieht man nicht“ für 2023 stellen die BücherFrauen zugleich die Berufsgruppe der Übersetzerinnen ins Rampenlicht.

BücherFrau des Jahres 2022: Zoë Beck

Zoë?Beck studierte englische und deutsche Literatur unter anderem in Gießen, Bonn und Durham. Nach dem Studium arbeitete sie als TV-Producerin, schrieb Drehbücher, unter anderem für das ZDFKinderfernsehen sowie für den Disney Channel und ist bis heute als Synchronregisseurin tätig. Seit 2004 ist sie als freiberufliche Autorin und literarische Übersetzerin tätig. Für ihr schriftstellerisches Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Ihr Roman „Paradise City“ (Suhrkamp, 2020) wurde 2020 mit dem Deutschen Krimipreis, National Platz 1, ausgezeichnet und 2021 mit dem Politikkrimipreis der Heinrich-Böll-Stiftung.

Als literarische Übersetzerin arbeitet Zoë?Beck für unterschiedliche Verlage und übertrug unter anderem die irische Autorin Sally Rooney aus dem Englischen ins Deutsche.

Gemeinsam mit Jan Karsten gründete sie 2013 den Literaturverlag CulturBooks. Der Schwerpunkt des Verlages liegt auf internationaler Literatur.

Als Verlegerin ist Zoë Beck Mitinitiatorin des Aktionsbündnisses #verlagegegenrechts, das sich gegen rassistisches, antifeministisches und homophobes Gedankengut stellt. Auch ist sie Mitbegründerin des feministischen Netzwerks „Herland“ und im Vorstand der Litprom, einem Verein zur Förderung von Literaturen aus dem Globalen Süden.

Die Jahrestagung der BücherFrauen 2021 eröffnete Beck mit einer Keynote zum Thema „Sexismus in der Buchbranche“. Sie kennt die Strukturen und Machtverh?ltnisse der Branche gut und attestiert ihr, dass dort immer noch der männliche Blick dominiere.

Sie sieht aber auch „[…] eine neue Welle der Sichtbarmachung. Und wir müssen dafür sorgen, dass es diesmal bei der Sichtbarkeit bleibt. Nur so lassen sich die Machtverhältnisse ausgleichen, lässt sich der ‚male gaze‘ korrigieren, der Sexismus auf Dauer bekämpfen.“

In diesem Sinne freuen wir uns auf viele Impulse für unser Netzwerk und darüber hinaus für die Buchbranche durch die frisch gewählte BücherFrau des Jahres 2022.

 

BücherFrauen

Serhij Zhadan mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022 ausgezeichnet

Der ukrainische Schriftsteller, Dichter, Übersetzer und Musiker Serhij Zhadan ist heute mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand vor rund 600 geladenen Gästen in der Frankfurter Paulskirche statt, unter ihnen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sowie die SPD-Vorsitzende Saskia Esken. Die Laudatio hielt Autor*in, Theatermacher*in und Kurator*in Sasha Marianna Salzmann.

In seiner Dankesrede schildert Zhadan die schmerzhafte Erfahrung, wie der Druck des Krieges Sprache in ihrer gewohnten Form beschädigt. Was tun, fragt er, wenn Wörter das, was passiert, nicht mehr erklären können? Es sei unerträglich, die Sprache als vertrautes Mittel der Verständigung zu verlieren.

„Wie soll man über den Krieg sprechen? Wie soll man mit den Intonationen umgehen, in denen so viel Verzweiflung, Wut und Verletzung mitschwingt, zugleich aber auch Stärke und die Bereitschaft, zueinander zu stehen, nicht zurückzuweichen? Ich glaube, das Problem mit der Formulierung der zentralen Dinge liegt derzeit nicht nur bei uns – die Welt, die uns zuhört, tut sich manchmal schwer, eine einfache Sache zu verstehen – dass wir, wenn wir sprechen, ein hohes Maß an sprachlicher Emotionalität, sprachlicher Anspannung, sprachlicher Offenheit zeigen. Die Ukrainer müssen sich nicht für ihre Emotionen rechtfertigen, aber sicher wäre es gut, diese Emotionen zu erklären. Warum? Schon allein deshalb, damit sie den Zorn und den Schmerz nicht länger allein bewältigen müssen.“

Seine Rede ist der Versuch einer Erklärung gegenüber Menschen, die den Krieg aus der Ferne beobachten – auch indem er von den Lebensrealitäten seiner Landsleute vor Ort berichtet. Das Problem, das er schildert, ist kein rein sprachliches, sondern auch ein ethisches. Zhadan fragt, ob die Welt bereit sei, um „fragwürdiger materieller Vorteile und eines falschen Pazifismus Willen“ ein weiteres Mal „das totale, enthemmte Böse zu schlucken“.

„Frieden sollte doch die Sache sein, die uns zur Verständigung führt“, sagt er. „Warum werden die Ukrainer dann so oft hellhörig, wenn europäische Intellektuelle und Politiker den Frieden zu einer Notwendigkeit erklären? Nicht etwa, weil sie die Notwendigkeit des Friedens verneinen, sondern aus dem Wissen heraus, dass Frieden nicht eintritt, wenn das Opfer der Aggression die Waffen niederlegt. (…) Was sollten sie denn nach Meinung der Anhänger eines um jeden Preis schnell geschlossenen Friedens tun? Wo sollte für sie die Grenze zwischen einem Ja zum Frieden und einem Nein zum Widerstand verlaufen?“

Zhadan weiter: „Wenn wir jetzt, im Angesicht dieses blutigen, dramatischen und von Russland entfesselten Krieges über Frieden sprechen, wollen einige eine simple Tatsache nicht zur Kenntnis nehmen: Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Es gibt verschiedene Formen eines eingefrorenen Konflikts, es gibt zeitweilig besetzte Gebiete, es gibt Zeitbomben, getarnt als politische Kompromisse, aber Frieden, echten Frieden, einen Frieden, der Sicherheit und Perspektive bietet, gibt es leider nicht. (…) Wir unterstützen unsere Armee nicht deshalb, weil wir Krieg wollen, sondern weil wir unbedingt Frieden wollen.“

Sasha Marianna Salzmann betont in der Laudatio, dass Literatur zwar keinen Krieg beenden könne, wohl aber die Welt in sich zusammenhalte, indem sie uns die „Innenseite des Menschlichen“ erfahren lasse. Serhij Zhadan gelinge dies in seinem Werk insbesondere durch die Nähe zum Erleben der geschilderten Personen.

„Zhadan, der uns in seinem Werk so viele unterschiedliche Biografien wie nur möglich vergegenwärtigt, wählt nie die Vogelperspektive. Wir werden in seinem Blick keine Distanz erkennen. (…) In einer Zeit, in der Worte, Positionen, Urteile uns wundreiben bis aufs Fleisch, schafft dieser Dichter Momente des Aufatmens durch radikale Menschlichkeit. (…) Jeder einzelne von Zhadans Texten wird bestimmt von der Haltung des Dialogs, der Auseinandersetzung mit seiner Außenwelt.“

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins, betont, dass der Stiftungsrat mit seiner Entscheidung für den Friedenspreisträger in Zeiten des Krieges in Europa ein Zeichen setzen wollte. Zhadans Werk habe sprachlich, literarisch und musikalisch begeistert, zugleich sei sein Engagement für die Menschen in seiner Heimat zutiefst beeindruckend:

„Danke, lieber Serhij Zhadan, dass Sie uns mit Ihrer Dichtung auf die wesentlichen Fragen zurückwerfen, uns herausfordern, verunsichern. Danke, dass Sie die lange Reise auf sich genommen haben, weg von Ihren Landsleuten, um die Sie sich sorgen und für die Sie unermüdlich da sind – unter Einsatz Ihres Lebens! Danke für Ihre Romane, Ihre Gedichte, Ihre Musik. Das Zeugnis, das Sie ablegen. Über den Krieg.“

Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig betont die besondere Rolle, die Literatur bei der Vermittlung von Wahrheit einnimmt.

„Die Wahrheit der Literatur ist etwas anderes als die der Medien. Poesie und Prosa sind vielschichtiger, widersprüchlicher, mitunter auch hermetischer. Sie sprechen zu uns auf andere Weise, berühren uns anders, tiefer.“

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Seit 1950 vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Preisträger waren unter anderem Sebastião Salgado, Albert Schweitzer, Astrid Lindgren, Václav Havel, Jürgen Habermas, Susan Sontag, Liao Yiwu, Navid Kermani, Margaret Atwood, Aleida und Jan Assmann und im vergangenen Jahr Tsitsi Dangarembga. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Die Reden von Serhij Zhadan und Sasha Marianna Salzmann sind abrufbar unter: www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.

 

Presseaussendung Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Kim de l’Horizon erhält den Deutschen Buchpreis 2022 für „Blutbuch“

Kim de l’Horizon hat mit dem Roman „Blutbuch“ (DuMont) den Deutschen Buchpreis 2022 gewonnen.

Die Begründung der Jury:
„Mit einer enormen kreativen Energie sucht die non-binäre Erzählfigur in Kim de l’Horizons Roman ‚Blutbuch‘ nach einer eigenen Sprache. Welche Narrative gibt es für einen Körper, der sich den herkömmlichen Vorstellungen von Geschlecht entzieht? Fixpunkt des Erzählens ist die eigene Großmutter, die ‚Großmeer‘ im Berndeutschen, in deren Ozean das Kind Kim zu ertrinken drohte und aus dem es sich jetzt schreibend freischwimmt. Die Romanform ist dabei in steter Bewegung. Jeder Sprachversuch, von der plastischen Szene bis zum essayartigen Memoir, entfaltet eine Dringlichkeit und literarische Innovationskraft, von der sich die Jury provozieren und begeistern ließ.“

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2022 gehören an: Jurysprecherin Miriam Zeh (Deutschlandfunk Kultur), Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

„Mit dem Deutschen Buchpreis wollen wir die Aufmerksamkeit der Leser*innen auf die Vielschichtigkeit der deutschsprachigen Literatur lenken. Er ist auch in diesem Jahr wieder eine Einladung, die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu erweitern, sich auch mit Literatur zu beschäftigen, die außerhalb des eigenen Fokus liegt und die dafür umso mehr inspiriert. Bestenfalls holen wir uns damit gegenseitig aus unseren Filterblasen heraus, bewegen uns und andere zum Nach-, Um- und Weiterdenken“, sagt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Für die Auszeichnung waren außerdem nominiert:
Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022), Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022), Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022), Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022), Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022).

Kim de l‘Horizon erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Gewinnertitel wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und September 2022 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus hat die Jury sechs Titel für die Shortlist gewählt. Die Preisverleihung fand im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2022 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen 20 Literaturblogger*innen die nominierten Titel 2022 vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis.de/news veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt. Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln zudem Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autor*innen.

Weitere Informationen und Lesungstermine von Kim de l’Horizon können abgerufen werden unter www.deutscher-buchpreis.de.

Der Hashtag des Deutschen Buchpreises ist: #dbp22

 

Pressemitteilung Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

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